Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
425
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Zur Geschichte der Aesopischcii Fabel. 426

Fabel gearbeitet, und in dieser Absicht eine Menge Dinge zusammen-getragen, deren Menge selbst mich nunmehr von der Ausführungabschreckt. Damit indeß mein Fleiß nicht ganz vergebens angewendetworden: so will ich hier das Beste davon mittheilen. Ich nenne aberdas Beste, das Unbekannteste: und nächst dem das, was mehr alsbloße Ecmpilalion ist, indem cS zu Berichtigung irriger Nachrichtendient, mit welchen man sich bisher begnügen müßen.

Besonders werde ich dabey auf das sehen, was Geliert undChrist für würdig geschätzt haben, daß es der Vergessenheit nichtgänzlich überlassen werde.

Gellcrt geflissendlich in seiner Dissertation <1e ?oeli /ipologorumeoiumciue iLrijitoi'ilius von 1744, und in seiner Nachricht von altendeutschen Fabeln, dem ersten Theile seiner Fabeln 1746 vorgesetzt.

Christ beyläufig, in seiner akademischen Schrift 6e?lia?clro ejus-eiuv I^auulis, ebenfalls von 1746, aber nach jener Nachricht.

lind um einen Faden zu haben, an welchen ich wenigstens anrei-hen kann, was ich nach seinem Werthe nicht zu ordnen weiß: willich der chronologischen Ordnung folgen, nicht in welcher die Fabel-dichter gelebt haben, sondern in welcher ihre Werke im Drucke er-schienen sind. Dieses wird bey den Nencn auf das Nehmliche hin-auskommen: und bey den Allen wird c§ das Bequemere seyn.

Einen kleinen Anlauf will ich jedoch von den Feiten ncbmcn, inwelchen in dem einzigen Italien die Wissenschaften wiederum zu blü-hen ansicngcn, und in den übrigen Europäischen Ländern noch Unwis-senheit und Barbarey herrschte.

So sehr hatten Unwissenheit und Barbarcy aber nie geherrscht, daß

III. ")1461.

DaS erste gedruckte Deutsche Buch sind Acsopischc Fabeln: unddie ersten gedruckten Acsopischcn Fabeln sind Deutsche.

Der Ort, wo sie gedruckt worden, ist Bambcrg: welche Stadt so nachin dem Verzeichnisse der Städte, in welchen die Druckcrcy zuerst gcübctworden, unmittelbar auf Maynz folgen muß. Wenigstens hat sichnoch bis itzt. kein Buch gefunden, in welchem eine Deutsche Stadt aus-drücklich genennct sey, die Bambcrg diese Ehre streitig machen könnte.

Man hat nicht den geringsten Grund, eine Verfälschung oder ei-

°)Diese Stcllc bis sich darauf gründen dürfte, bat mein Bru-der auf einen halbe» Bogen besonders, und kann einen Borschmack geben,wie er den ganzen ^pia» au^gcarbeilel haben würde. A. Lcssliiiz.