Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
426
Einzelbild herunterladen
 

4'.'6 Zur Geschichte der Acsopischen Fabel.

neu Fehler, oder ei» Mißversiandniß in gedachte» DatiS zu argwoh-nen. Unsere Fabeln sind gewiß zu Bambcrg und zwar 1461 ge-druckt: oder es ist nichts in allen solchen Dingen gewiß. Wie sieaber gedruckt worden; ob mit geschnittenen Tafeln, oder mit beweg-lichen Lettern; ob mit hölzernen oder mit gegossenen Lettern: das isteine Frage, bey der es glaub ich noch frey stehet, sich für das eineoder das andere zu erklären. Es finden sich bey dem einen so wohlals bey dem andern Gründe dafür und Gründe tarivider.

Das Typographische dieser alten Fabeln nun aber bey Seite gcsetzet:habe ich eine doppelte Entdeckung darüber zu machen Gelegenheit gehabt.

Vors erste hab ich entdeckt, daß sie nichts als die sogenanntenFabeln aus den Zeiten der Minnesinger sind, von welchen dieSchweitzer glauben, daß sie selbige zuerst aus Handschriften herausge-geben: ScherzcnS Probe ungerechnet. Zugleich habe ich gefunden,daß die Schweitzer nicht allein nichts drucken laßen, was nicht schongedruckt gewesen: sondern daß sie eS nicht einmal so vollständig dru-cken laßen, als sie eS mit Hülfe dieser ersten ihnen unbekannt gcblicb-nen Ausgabe hätten thnn können. Denn der alte Dichter hatte geradehundert Fabeln gemacht, von welchen sie uns nur 89 aus ihrenHandschriften mitgetheilet. Und obgleich auch die alte Ausgabe nurderselben enthält, so sind es doch nicht die nehmlichen, die hier unddort fehlen: und durch Fusammcuhaltung läßt sich die Zahl bis aufeine einzige wieder vollständig machen.

ZweytenS habe ich aus Handschriften, die in unsrer Bibliothekvon diesen Fabeln sich befinden, entdeckt, daß der Verfasser derselbenkein Riedenburg ist, wie Gottsched , ob schon aus einer von diesenHandschriften selbst, hat vorgeben wollen, und wie ihm jedermann,die Schweitzer selbst nicht ausgenommen, geglaubt hat. Gottsched hat auch dieses Mauuscript nach seiner gewöhnlichen Art gelesen: dasist mit halb offnen Augen. Er sahe, daß da und dort etwas zu se-hen war, aber selten sah er das rechte. Der Mann, dein zum Be-sten der Dichter sagt, daß er seine Fabeln aus dem Lateinischen über-setzt habe, heißt Riedenburg ; und der Dichter selbst heißt Boncriuo.

Alles dieses habe ich umständlicher an einem andern Orte ange-zeigt; und wiedcrhohle eS hier nur summarisch, weil einiges von demfolgenden sich darauf gründen dürfte.

IV.

1461.

Das Bambergische Zabelbuch.