Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
456
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Gelehrte Kretze.

Rößler Krätze? Und wer schreibt nicht Kratze, der seit fünfzehn Iah-rcn Kretze zu schreiben gehabt? Sogar Wachter nnd Frisch schreibenKratze. Dcmungcachtct, fleißiger Mann, der Sie uns endlich das-jenige liefern, was unsrer Sprache bisher noch allein abgegangen, umsich völlig mit der Italienischen, Französischen, Spanischen und En-glischen messen zu können, ein vollständiges grammatisch-kri-tisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart; ich be-schwöre Sie, werthester Herr, thun Sie mir ja den Dampf nicht an,und lassen Sie in Ihrem nächsten zweyten Theile Krätze drucken!Ich möchte um alles in der Welt, nicht bloß ein guter deutscher, son-dern ein guter hochdeutscher Schriftsteller, mit Gott und Ihnen, seynund hcissen; und ich zittre, wenn mir einfallt, daß ich mit meinerBitte und Vorstellung gar leicht zu spat kommen könnte. Kratze, soviel als te!>Iii<!8, ^g«, Räude, juckender ansteckender AuSschlag.Recht wohl! denn sie macht, daß wir die behafteten Theile gar zugern kratzen. Aber unsre Kretze hier, lieber Leser, die eigentliche undmetaphorische: warum soll auch die vom kratzen gcncnnt ftp»? die we-nigste wird doch wahrlich zusammengekratzt, und obschon romculum,wie die lateinischschreibendcn Metallurgen Kretze übersetzen, gleichsamz-acliwenlum heißen soll: müssen nothwendig die Benennungen desnehmlichen Dinges in vcrschicdncn Sprachen auch die nehmliche Ab-leitung haben? G. Agricola braucht ismeiilum? aber dennoch schreibter das deutsche Wort Gekrecze. So schreibt es auch sein ttcbcrsctzerPhilipp Dechius. Erker ebenfalls schreibt Kretze. Und um den Lc-xicographen, Wachtern und Frischen, einen andern Lexicographenentgegen zu setzen, so berufe ich mich auf Cramern, den Erztlcriko-graphcn, welcher in seinem Deutschitalienischen Wdrtcrbuche schreibt:Kretz, Kritz (cla nou lo clove) 8^s?.xiilura, I^avalura «I'oi-o, li'ar-xenlo et cli slti-i mc-tall!. Also sprach man es auch sogar Kritz?Und wenn er hinzusetzte, «t-> ncm l» clove; muß er nicht die Abstam-mung von kratzen, die sich einem jeden von selbst anzubieten scheint,für ganz unstatthaft gehalten haben? Wenn Herr Adclunn mir alsonur sonst zu Gefallen scvn will und noch kann: so wird er diesem clavan lu clove auch schon leicht abzuhelfen wissen. Er darf sich ja nurauf das alte und oberdeutsche Kretze, so viel als Korb, besinnen; undwas könnte wahrscheinlicher seyn, als daß die Kretze von den Körbenoder Kretjcn ihren Namen habe, in welchen sie bis zu einer völligenSchmelze aufgehoben wird? Oder ist ihm das Stammwort vonGruye lieber, welches mit Cramers Krihe so wohl übercin kom-men würde? Wie er will! Nur nicht Kretze von kratzen: oder ich