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11 (1839)
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Ueber eine Aufgabe im Deutschen Merkur.

ihre Bemühungen gegen diese verkannten Eigenschaften, auf welchendas wahre philosophische Leben des denkenden KopfcS beruht, mehrBöses als Gutes stiften?

Doch wie können sie das? Wie können, wenigstens kaltblütigePhilosophen, so irrig und abgeschmackt denken? Philosophen!Den Lucianischen Geistern sieht so etwas noch eher ähnlich; weil Lu-cianische Geister nicht selten selbst Enthusiasten sind, und in ihrer ge-dankenlosen Lustigkeit einen Einfall für einen Grund, eine Posse füreine Widerlegung halten.

Aber, wie gesagt, Philosophen! Philosophen sollten nicht besserwissen, was Enthusiasmus und Schwärmerei ist? Philosophen solltenin Gefahr seyn, durch ihre Bemühungen gegen Enthusiasmus undSchwärmerei, mehr BöscS als Gutes zu stiften? Philosophen?

Denn was thut denn der Philosoph gegen Enthusiasmus undSchwärmerei? Gegen den Enthusiasmus der Darstellung thut ernicht allein nichts; sondern er pflegt ihn vielmehr auf das allersorg-fältigste. Er weiß zu wohl, daß dieser die «<<^, die Spitze, dieBlüthe aller schönen Künste und Wissenschaften ist, und daß einemDichter, einem Mahler, einem Tonkünstler den Enthusiasmus abrathen,nichts anders ist, als ihm anralhcn, zeitlebens mittelmäßig zu bleiben. Aber gegen den Enthusiasmus der Spekulation? was thut ergegen den? Gegen den, in welchem er sich selbst so oft befindet?Er sucht bloß zu verhüten, daß ihn dieser Enthusiasmus nicht zumEnthusiasten machen möge. So wie der feine Wollüstling, dem derWein schmeckt, und der gern unter Freunden sein Gläschen leeret, sichwohl hüten wird, ein Trunkenbold zu werden. Was nun der Philo-soph, an sich, zu seinem eignen Besten thut, das sollte er nicht auchan Andern thun dürfen? Er sucht sich die dunkeln lebhaften Empfin-dungen, die er während des Enthusiasmus gehabt hat, wenn er wiederkalt geworden, in deutliche Ideen aufzuklären. Und er sollte diesesnicht auch mit den dunkeln Empfindungen Andrer thun dürfen? WaSist denn sein Handwerk, wenn cS dieses nicht ist? Trifft er endlich,der Philosoph, auf den doppelten Enthusiasmus, das ist, auf einenEnthusiasten der Spekulation, welcher den Enthusiasmus der Dar-stellung in seiner Gewalt hat, was thut er dann? Er unterscheidet.Er bewundert das Eine, und prüft daS Andere.

DaS thut der Philosoph gegen den Enthusiasmus! Und was ge-gen die Schwärmerei? Denn beides soll hier doch wohl nicht Einsseyn? Schwärmerei soll doch wohl nicht bloß der übersetzte Ekelnamevon Enthusiasmus seyn?