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11 (1839)
Entstehung
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465
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Ueber eine Aufgabe im Deutschen Merkur.

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Unmöglich! Denn es giebt Enthusiasten, die keine Schwärmersind. Und es giebt Schwärm«/ die nichts weniger als Enthusiastensind; kaun,/ daß sie sich die Mühe nehmen, eS zu scheinen.

Schwärmer/ Schwärmerei kommt von Schwärm, schwärme»; so wiecS besonders von den Bienen gebraucht wird. Die Begierde/ Schwärm zumachen, ist folglich das eigentliche Kennzeichen des Schwärmers.

Aus was für Absichten der Schwärmer gern Schwärm machenmöchte, welcher Mittel er sich dazu bedienet: da» giebt die Klassen derSchwärmerei.

Nur weil diejenigen Schwärmer, welche die Durchsetzung gewisserRcligionSbcgriffc zur Absicht haben, und eigne göttliche Triebe undOffenbarungen vorgebe»/ (sie mögen Betrüger oder Betrogene, betro-gen von sich selbst oder von Andern seyn/) um zu jener Absicht zugelangen, die vielleicht wiederum nur das Mittel ist, eine andere Ab-sicht zu erreichen: nur weil diese Schwärmer/ sage ich/ leider die zahl-reichste und gefährlichste Klasse der Schwärmerei ausmachen/ hat mandiese Schwärmer Schwärmer gcncnnt.

Daß manche Schwärmer aus dieser Klasse durchaus keine Schwär-mer heißen wolle»/ weil sie keine eignen göttlichen Triebe und Offen-barungen vorgebe»/ thut nicht» zur Sache. So klug sind die Schwär-mer alle/ daß sie ganz genau wisse»/ welche Maske sie zu jeder Zeitvornehmen müssen. Jene Maske war gut/ als Aberglaube und Ty-rannei herrschten. Philosophischere Zeiten erfordern eine philosophischereMaske. Aber umgekleidete Maske, wir kennen euch doch wieder!Ihr seid doch Schwärmer; weil ihr Schwärm machen wollt. Undseid doch Schwärmer von dieser gefährlichsten Klasse; weil ihr dasnehmliche/ weswegen ihr sonst eigne göttliche Triebe und Offenbarun-gen vorgabt, blinde Anhänglichkeit, nun dadurch zu erhalten sucht,daß ihr kalte Untersuchung verschreiet, sie für unanwcndbar auf ge-wisse Dinge ausgebt, und sie durchaus nicht weiter getrieben wissenwollt, als ihr sie selbst treiben wollet und könnet.

Gegen diese Schwärmerei im allcrwcitcstc» Verstände, was thutder Philosoph? Der Philosoph! Denn um den LucianischcnGeist bekümmere ich mich auch hier nicht. Wie dessen Bemühungengegen den Enthusiasmus nicht weit her seyn können/ weil er selbstEnthusiast ist: so können auch seine Bemühungen gegen die Schwär-merei von keinem wahren Nutzen sey»/ weil er selbst Schwärmer ist.Denn auch Er will Schwärm machen. Er will die Lacher auf seinerSeite haben. Ein Schwärm von Lachern! Der lächerlichste/ ver-ächtlichste Schwärm von allen.

'.'cslmgS Werk- XI. ZN