Ueber cinc Aufgabe im Deutschen Merkur.
Weg mit den Frahengesichtern! — Die Frage ist: was der Phi-losoph gegen die Schwärmerei thut?
Weil der Philosoph nie die Absicht hat, selbst Schwärm zu ma-chen, sich auch nicht leicht an einen Schwärm anhangt, dabei wohleinsieht, daß Schwärmereien nur durch Schwärmerei Einhalt zu thunist: so thut der Philosoph gegen die Schwärmerei — gar nicht». Eswäre denn, daß man ihm das für Bemühungen gegen die Schwär-merei anrechnen wollte, daß wenn die Schwärmerei spekulativenEnthusiasmus zum Grunde hat, oder doch zum Grunde zu habenvorgicbt, er die Begriffe, worauf cS dabei ankommt, aufzuklären undso deutlich als möglich zu machen bemüht ist.
Freilich sind schon dadurch so manche Schwärmereien zerstoben.Aber der Philosoph hatte doch keine Rücksicht auf die schwärmendenJndividua; sondern ging bloß seinen Weg. Ohne sich mit den Mückenherumzuschlagen, die vor ihm herschwärmen, kostet seine bloße Bewe-gung, sein Stillsitzen sogar, nicht wenigen das Leben. Die wird vonihm zertreten; die wird verschluckt; die verwickelt sich in seinen Kleidern;die verbrennet sich an seiner Lampe. Macht sich ihm eine durch IhrenStachel an einem empfindlichen Orte gar zu merkbar — Klapp! Triffter sie, so ist sie hin. Trifft er sie nicht — reise, die Welt ist weit!
Im Grunde ist es auch nur dieser Einfluß, welchen die Philosophenauf alle menschlichen Begebenheiten, ohne ihn haben zu wollen,'wirk-lich haben. Der Enthusiast und Schwärmer sind daher gegen ihn so sehrerbittert. Sie möchten rasend werden, wenn sie sehen, daß am Ende dochalle? nach dem Kopfe der Philosophen geht, und nicht »ach ihrem.
Denn was die Philosophen sogar ein wenig nachsehend und par-teiisch gegen Enthusiasten und Schwärmer macht, ist, daß sie, diePhilosophen, am allermeisten dabei verlieren würden, wenn es garkeine Enthusiasten und Schwärmer mehr gäbe. Nicht bloß, weil so-dann auch der Enthusiasmus der Darstellung, der sür sie eine solebendige Quelle von Vergnügungen und Beobachtungen ist, verlorenwäre; sondern weil auch der EnlhusiaSmuS der Spekulation sürsie eine so reiche Fundgrube neuer Ideen, eine so lustige Spitze fürweitere Aussichten ist, und sie diese Grube so gern befahren, dieseSpitze so gern besteigen; ob sie gleich unter zchumalen das Wetternicht einmal da oben treffen, was zu Aussichten nöthig ist. Und unterden Schwärmern sieht der Philosoph so manchen tapfern Mann, derfür die Rechte der Menschheit schwärmt, und mit dem er, wenn Zeitund Umstände ihn aufforderten, eben so gern schwärme», als zwischenseinen vier Mauern Ideen nnalysircn würde.