Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
467
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lieber eine Aufgabe im Deutschen Merkur.

Wer war mehr kaltblütiger Philosoph, als Leibnih? Und werwürde sich die Enthusiasten ungcrner haben nehmen lassen, alSLeibnitz?Denn wer Hai >e so viel Enthusiasten besser genutzt/ als eben er?Er wußte sogar, daß wenn man aus einem deutschen Enthusiasten auchsonst nichts lernen könne, man ihn doch der Sprache wegen lesen müsse.So billig war Leibnitz ! Und wer ist den Enthusiasten gleichwohlverhaßter, als eben dieser Leibnitz ! Wo ihnen sein Name nur aufstößt,gerathen sie in Zuckungen; und weil Vvolf einige von LeibnitzcnSIdeen, manchmal ein wenig verkehrt, in ein System verwebt hat, dasganz gewiß nicht LeibnitzcnS System gewesen wäre: so muß der Mei-ster ewig seines Schülers wegen Straft leiden. Einige von ihnenwissen zwar sehr wohl, wie weit Meister und Schüler von einandernoch abstehen; aber sie wollen cS nicht wissen. ES ist doch so gar be-quem, unter der Eingcschränktheit und Geschmacklosigkeit des Schülersden scharfen Blick dcS Meisters zu verschreien, der eS immer so ganzgenau anzugeben wußte, ob und wie viel jede unverdaute Vorstellungeines Enthusiasten Wahrheit enthalte, oder nicht!

O dieses verwüstenden, tödtcnden, unseligen BlickeS!" sagt derEnthusiast.Da macht der kalte Mann einen kleinen lumpigen Un-tcrschied, und dieses Unterschieds wegen soll ich allcS aufgeben? Daseht ihr nun, was das Unterscheiden nutzt! ES spannt alle Nervenab. Ich fühle mich ja gar nicht mchr, wie ich war. Ich hatte sieschon ergriffen die Wahrheit; ich war ganz im Besitz derselben:wer will mir mein eignes Gefühl abstreiten? Nein, ihr müßtnicht unterscheiden, nicht analvsircn; ihr müßt das, was ich euchsage, so lassen, nicht wie ihr es denken könnt, sondern so wie ich cSfühle; wie ich gewiß machen will, daß ihr es auch fühlen sollt, wereuch Gnade und Segen giebt."

Nach meiner Ueberschung: wenn euch Gott Gnade und Se-gen giebt, den einzigen ungezweifeltcn Segen, mit dem Gott den Men-schen ausgestattet, zu verkennen, mit Füßen zu treten!

Freilich was konnte der ehrliche Mann in dem Hafen zu Athen , dessenschönen Enthusiasmus ein alter Arzt, ich weiß nicht, ob durch eine Pur-ganz oder durch Nicsewurz vcrjagtc, anders antworten, als: Giftmischer!

Also so, nur so betrügt sich der Philosoph gegen Enthusiasmusund Schwärmerei. Ist das alles nicht gut, was cr thut? Was könntedenn Böscs darin seyn? Und was will nun die Frage: Kann wasBöse« in dem seyn, was cr thut?

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