Neue Hypothese über die Evangelisten.
chcn dogmatischen Gründe» schliesset? zu müssen glauben, das, Matthäusnicht wohl in einer andern Sprache geschrieben haben könne, als inder, in welcher wir ihn noch haben, erkennt ein jeder. Matthäus schrieb,waS er schrieb, griechisch: aber er zog cS aus einer hebräischen Quelle.
§- 3Z.
Hat er nun diesen seinen Auszug in eine bekanntere Sprache mitallem dem Fleiße, mit aller der Vorsicht gemacht, deren ein solchesUnternehmen würdig war: so hat ihm ja wohl, auch nur menschlicherWeise zu reden, ein guter Geist bcvgcstanden; und niemand kann etwasdagegen haben, daß man diesen guten Geist den heilige» Geist nennt.Und so muß denn auch wohl Matthäus wirklich zu Werke gegangenseyn; ein solcher guter Geist muß ihn denn auch wohl geleitet undunterstüzt haben: indem sein Auszug oder seine Ueberschung nicht al-lein gar bald unter den Christen insgemein ein kanonisches Ansehenerhielt, sondern sogar bey den Nazarcnern selbst der Name dcS griechi-schen UcberseherS nunmehr der hebräischen Urschrift anheim fiel, unddiese selbst für ein Werk dcS Matthäus ausgegeben wurde. DaS Evan-gelium lecuniluw Hpoüolas hieß mit der Zeit bcv den mchrcstcn daSEvangelium juxta klaltl-aeuru, wie HicronvmuS ausdrücklich sagt.
Z. -34.
Daß ich hicmit kein falsches Ende aufgefaßt habe, zeigt der langenicht abreissendc Faden, den ich dadurch von einem sehr verwirrte»Knaule abzuwickeln im Stande bin. DaS ist: ich kann aus dieser mei-ner Vorstellung zwanzig Dinge erklären, die unauflösliche Räthsel blei-ben, man mag den einen oder den andern der gewöhnlichen Sähe vo»der Originalsprache des Matthäus behaupten. Ich führe die vornehm-sten derselben an, weil dergleichen neue Aufschlüsse, welche eine neuangenommene Meynung gewähret, in kritischen Dingen, wie man weiß,so viele Beweise derselben sind.
§. 35.
Wann EpiphaniuS z, E- sagt, daß die Nazarcncr das Evangeliumdes Matthäus rc> -r^c-k^-onov jZ,^«^ am allervollständigsten inhebräischer Sprache besaßen: waS kann man dazu sagen, daS ohneallen Anstoß wäre? — War cS Matthäus selbst, der diesen vollständi-gen hebräischen Text schrieb: so ist unser griechischer Matthäus nichtganz. — Schrieb Matthäus ursprünglich griechisch: so haben ihn dieNazarener in ihrer Ueberschung mit menschlichen Zusähen vermehrt,welches sie nicht gethan haben würden, wenn er in eben dem kanoni-schen Ansehen gestanden hätte, in dem er jezt steht. Und wie konntcOrigencS und SieronvmuS dieser Zusähe so glimpflich gedenken? —