Neue Hypothese über die Evangelisten.
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Nur wie ich die Sache nehme, haben die Worte des Epiphanius ihregute Richtigkeit. Das hebräische Original des Matthäus enthielt mehr/als Matthäus in seinen griechischen Auszug daraus zu nehmen für gutfand. DaS mehrere, was in dem hebräischen Matthäus war, hatten diespätern Nazarcncr nicht hinzugefügt, sondern Matthäus hatte es übergangen.
§. 36.
Angleichen, wer kann auf Folgendes antworten? — Hat Matthäus ursprünglich griechisch geschrieben: wie kömmt cS, daß die Kirchenvätercinmüthig vorgeben, sein Evangelium sev hebräisch abgefaßt? — Undhat er sein Evangelium ursprünglich hebräisch abgefaßt: wie hat mandiesen seinen hebräischen Originaltext können untergehen lassen? —Wer kann hierauf, frage ich, so befriedigend antworten, als ich? —Die Kirchenväter fanden ein hebräisches Evangelium, das alles undnoch mehr enthielt, als Matthäus: sie hielten cS also für des Mat-thäus eignes Werk. — Aber dieser hebräische vccmevnte Matthäus warzwar für den historischen Theil die Quelle des Matthäus: aber nurder griechische Auszug war daS eigentliche Werk eines Apostels, derunter einer höhcrn Aufsicht schrieb. WaS war also daran gelegen, daßdie Materialien verloren gicngen, nachdem sie auf die glaubwürdigsteund beste Art genuzt waren?
8- 37.
Nichts aber bestätigt meine Mevnung, daß Matthäus nicht he-bräisch geschrieben, sondern nur ein hebräisches Original so treu undvorsichtig übersezt und gebraucht habe, daß man dem Original selbstseinen Namen gegeben — nichts, sage ich, bestätigt diese Mevnunglnchr, als daß man dadurch nunmehr eine Stelle des PapiaS versteht,die so manchem Ausleger so manche undankbare Mühe gemacht hat.PapiaS nemlich sagt bcv dem EusebiuS: ^lu^Z-«^? ^-v L/Zizouö-, öt«-
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Matthäus schrieb sein Evangelium hebräisch: cS übersczte cS aber jeder,so gut er konnte.
§. 38.
Die leztcn Worte dieser Stelle sind allerdings so anstößig, daßman dem guten PapiaS allen Glauben in Ansehung der erster» abspre-chen zu dürfen geglaubt. Man hat sich gar nicht einbilden können, daßPapiaS damit wirklich sagen wollen, was sie so offenbar sagen. Beson-ders ist sehr lustig zu lesen, was ihm ClcrtcuS für einen AuSpuhcrdeswegen giebt, und wie schulmcistermäßig er dem Griechen seine grie-chischen Worte corrigirt, ohne zu überlegen, daß er nicht sowol denPapiaS, als den EusebiuS , wenigstens den EusebiuS eben sowol als den