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11 (1839)
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Neue Hypothese iibcr die Evangelisten.

§- S7.

Jene/ selbst in ihrem ersten Ursprünge betrachtet, hätten unmög-lich auch noch daS Mosaische Gesetz beybehalten wollen, wenn sieChristum für mehr als einen ausscrordentlichen Propheten gehalten hät-ten. Ja, wenn sie ihn auch für den wahren versprochenen McsssaShielten, und ihn, als den MesstaS, den Sohn Gottes nannten: so istdoch unstreitig, daß sie keinen solchen Sohn Gottes mcynten, welchermit Gott von gleichem Wesen sey.

§. SS.

Wem dieses von den ersten Judenchristcn einzuräumen zu bedenk-lich ist, der muß wenigstens zugestehen, daß die Ebionitcn, daS ist,diejenigen Judenchristcn, welche sich noch vor der Zerstörung Jerusa-lems , jenseit des Jordans in Pclla niederließen, nnd noch im viertenJahrhundert kein ander Evangelium erkannten, als das hebräische Ori-ginal des Matthäus, daß, sag' ich, die Ebionitcn, nach dem ZeugnissedcS OrigcncS, sehr armselig von Christo dachten, wenn cS auch nichtwahr wäre, daß sie von dieser ihrer armseligen DcnkungSart gar ihrenNamen bekommen hätten.

§. 69.

Eben so hielt Cerinthiis, welcher zwar ein Jude, aber schwer-lich ein Palästinischer Jude war, weil er uutcr die Gnostiker gerechnetwird, Christum für nichts, als den ehelichen, nach dem gewöhnlichenLaufe der Natur von Joseph und Maria erzeugten Sohn, weil er,oder daher er, entweder die hebräische Urschrift dcS Matthäus, oderden griechischen Matthäus für das einzige Evangelium annahm. (*)

(°) Nach dem, iras ich in der Aimicrkung zu H. 44, angeführt, scheint esmir sogar glaublich, daß er sich cinc eigne Ucbcischimg des hebräische»Originals gemacht, und also selbst zu denen des Papias gehört, die dr»Matthäus so gut übcrsczt, als sie gekonnt.

§. 00.

Das nemliche gilt vom Carpocrarcs, der gleichfalls, entwederweil er nur den Matthäus annahm, keine höhere Idee von Christo ha-ben konnte, oder weil er von Christo keine höhere Idee haben zu dür-fen glaubte, nur den Matthäus annehmen konnte.

tz. 61.

Mit einem Worte: Rechtgläubige und Scktirer hatten alle vonder gottlichen Person Christi entweder gar keinen oder einen ganz un-rechten Begrif, so lange kein ander Evangelium vorhanden war, alsdie hebräische Urkunde des Matthäus, oder die ans ihr geflossenen grie-chischen Evangclia.