Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
524
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624 Ueber die von der Kirche angenommene Meynung, ic.

Ich- Das wäre ein Trost, und wäre auch kein Trost fürmich! Denn darf ein Bibliothekar wohl ein offenbarer Jdiote in dergelehrten Geschichte irgend einer Wissenschaft, irgend einer Art vonKenntnissen sepn? Er möchte mich doch gar zu gern, der liebefreundschaftliche Herr Hauptpastor/ von meinem kleinen Acmtchen ver-drängen! Nun soll ich ihm auch das nicht einmal haben, was mirandre gute Freunde nur geben. Nicht einmal Geschichte der Gelehr-samkeit! Nicht einmal Bücherkunde!

«Lr.Hr. Lcßing mag nun so geringschätzig von der Bibel ur-theilen, als er will; so behauptet doch dieselbe immer unter den merk-würdigen Büchern den ersten Platz/ und ich sollte glauben, daß einesolche Unwissenheit in diesem Fache, als Hr.Lcßing hier zu meinemErstaunen zu Tage legt, niemand weniger kleide, als einen Vorste-her eines solchen Bücherschatzcs

Ich. Ja, ja; ich soll fort, ich soll fort. Der Hr. Hauvlvasiorhat bereits einen andern an meine Stelle; einen Laniliilalum lieve-i-eoiZi WniNerii, der ihm alle Wochen seine Bibliothek abstaubet, undder cS in dieser, in dieser gelernt hat, was die rechten raren Bücher sind.

iLr.eines solchen Bücherschatzcs, dessen erster Durchlauch-tigster Stifter ein so großer Verehrer der heiligen Schrift war, undweder eigenhändigen Briefwechsel, noch Mühe, noch Kosten schcuetc,um seine Bibliothek mit den kostbarsten und seltensten Ausgabenderselben in allen Sprachen zu bereichern, so daß auch Conringwußte, daß er demselben eine besondre Freude machte, wenn er inseiner LpMola Ai-slulaioi'la auf den 88ten Geburtstag desselben,die vornehmsten Stücke davon nahmentlich anführte, und dem Hcr-zoge zum Besitze derselben, besonders Glück wünschte:

Ich- Gottes Wunder: Wo der Man» alle die geheime Nach-richten von unsrer Bibliothek her hat! Ich muß gestehe», ich leseund höre so etwas heute, de» 48. Julius 1773. zum erstenmale.Aber, allwissender Mann, ich bitte Sie, wozu alles das hier?

Er.als dem Vorsteher eines Bücherschatzcs, welcher durchden Zuwachs dcr zahlrcichcn und vortreflichen Bibelsammlung derHochseligen Herzogin Maria Elisabeth Sophia einen solchen Vor-rath in diescm Fache erhalten hat, daß nun die WolfcnbüttclschcBibelsammlung unstreitig in Deutschland die erste ist.

Ich- Noch mehr? Barmherzigkeit! Ich vergehe vor Schaam,daß ich allein nicht weiß, was die ganze Welt von unsrer Bibliothekweiß. Aber nochmals Hr. Hauptpastor, nochmals: wozu alles die-ses hier? Warum beschäme» Sie mich eben hier so? Ich kann doch