Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
525
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gegen Herrn Hauptpasior Eöje.

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nimmermehr glauben, daß Sie mich damit auf alle die Bibel-Ueber-schungen in gemeine europäische Sprachen verweisen wolle»/ die schonvor Luthers Zeiten im Drucke waren? Wer leugnet die? WelcherAuktionator, welcher Handler mit alten Schwarte» kennt die nicht?Aber was haben die mit meiner Behauptung zu thun? Ich behaupte/daß es eine schon vor Luthers Zeiten von der Kirche angenommeneWahrheit gewesen/ daß es besser ftp, wenn der gemeine Mann die Bi-bel in seiner Sprache nicht lese: und Sie um das zu widerlegen/wüßten mir nichts entgegen zu stellen/ als die damals schon gedruck-ten nahmenlosen Ucbcrschungcn, welche sich in den Händen dcS gemei-nen Mannes gar nicht befanden/ und welche die Kirche da so seynließ, weil, wenn sie auch in den Händen des gemeinen Mannes ge-wesen wäre»/ sie dennoch keinen Schaden anrichten konnte»/ indemsie alle aus der Vulgata genommen, und zum Theil mit Anmerkungengespickt waren/ die allem eigenen Raisonncmcnt den Weg abschnitten?

Ich weiß freylich/ Hr. Hauptvastor/ daß Sie eine wunderbareGabe haben, herzlich albern zu schließen: aber so gar albern! Nein;ehe ich so verächtlich von Ihnen urtheile, muß ich Sie doch nur erstausbörcn. Vielleicht wollen Sie noch ganz wo anders hinaus.

Ee.So lange also Hr. Leßing diese Stelle bekleidet, wird dieBibliothek in diesem Felde wohl wenig Thaten thun, und nichts wei-ter als ein prächtiges Bibclgrab bleiben.

Ich- Das erwäge doch ja mein gnädiger Herr, des regierendenHerzogs von Vraunschwcig Durchlaucht, und schicke mich je eher jelieber zum Guckguck! Indeß doch, Hr. Hauptpastor; wer weiß?^ Ich Ziehe Sie wohl auch gar am Ende dieser Erörterung bey Seite,und lasse Sie wohin gucken, wohin ich eben sonst nicht einen jedengern gucken lasse.

Er.Ich ersuche denselben, mich hier nicht als ein hungrigesPferd, sondern als einen lchrbcgicrigen Schüler anzusehen.

Ich. I?iat, wie gebeten. Aber cS giebt gleichwohl lchrbcgierigeSchüler, die am Ende doch nichts weiter als hungrige Pferde sind,die nur lernen um zu essen; die, wenn sie durch ihr Erlerntes endlichzu essen bekommen haben, lieber essen und essen, als anders lernenund mehr lernen.

iLr.Ich verspreche, ihn auf der andern Seite nie unter demniedrigen Bilde eines Stallknechts, der nur Heu auf die Raufe tra-gcn soll, sondern unter dem ehrwürdigen Bilde meines Lehrers zubetrachten und mir diejenigen Schriften anzuweisen, in welchen