Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
529
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gegen Herrn Hauptpastor Göze.

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ien ein von der Kirche allgemein angenommener Satz gewesen. Klei-nigkeit! Ich will ihm das, und noch ganz etwas anders erweisen.Ich will ihm sogar erweisen, daß von Luthern zurück bis zu der Zeithinauf, da dergleichen Uebersetzungen erst möglich zu werden anfiengen,die Kirche nie anders als diesem Satze gemäß, gelehrt und gehandelthat. 5aS will ich ihm sogar beweisen; es wäre denn, daß Conciliumund Pabst zur Kirche nicht gehörten: vr borge mir nur bis dorthin.

Er-Wie viele llebersctzungen in Landessprachen; in die italiä-nische, ober- und niederdeutsche, holländische, waren schon an dasLicht getreten, ehe Luther den ersten bedanken von einer neuenUebersetzung fassen konnte und gefaßt hatte?

Ich. So viele als der Hr. Hauptpastor nur immer mag gezählthaben! Aber wie? So kommen Sie doch auf die Absurdität wie-der zurück, die ich Ihnen oben kaum zutrauen wollte? So denkenSie doch mit einem Bißchen elender Büchcrkunde mich einzutreiben?Weil Bibeln in Landessprachen vor Luthern sogar gedruckt vorhandensind, soll die Kirche nicht dafür gehalten haben, daß der gemeineMann solcher Bibeln gar wohl müßig gehen könnte? Ist denn garkein Unterschied zwischen diesen beyden Sätzen: die Kirche will durch-aus nicht, daß die Bibel in gemeine Landessprachen übcrsczt werde;und die Kirche hält für besser, wenn der gemeine Mann dergleichenUebcrsctzungc» gar nicht liefet? Hätte die Kirche dieses leztere nichtglauben können, ohne darum jene Uebersetzungen durchaus verbietenzn können und zu wollen? Konnten denn jene Uebersetzuugcn nichtvon der Art seyn, und waren sie nicht wirklich von der Art, daß siein die Hände des gemeinen Mannes gar nicht kommen konnten?Konnten denn jene Uebersetznngcn, welche dem gemeinen Mann scha-deten, nicht andern nützlich seyn, auf welche die Kirche doch auch einAugenmerk nehmen mnßlc? Und was kann denilichcr beweisen, daßvorbesagter Unterschied keine Grille ist, die ich aus der Luft gegriffenhabe, als wenn ich gute Katholiken ans Luthers Zeiten anführe,welche nicht allein die ältern Ucbcrfctzungen der Bibel ins Teutscherecht wohl kannten, sondern auch selbst neue Uebcrsctzungc» besorgten,und dennoch mit ihrer Kirche glaubten, daß dergleichen Uebersetzuugcndem gcmcincn Manne gefährlich und schädlich wären. (<i)

Er.Hr. Lcßing wird sie alle in der wolfcnbüttclschcn 25i-bliorher' finden: er »inß sie aber noch nicht angesehen haben, dennsonst würde der Anblick derselben ihn von dem Ungrundc dieser sei-ner Meynung überzeugt, und ihn bewahret haben, solche zn sciucm cignen Nachtheile so dreist auf das Pappier zu werfen.

LchingS Welke XI, 34