gegen Herrn Hauptpastor Göze.
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Wicklcfiten, oder Hußiten, oder Pickardern eine Verfälschung der Vul-gata oder gar des griechischen Textes Schuld gegeben habe. Wohlaber finde ich, daß sowol Wicklcfiten als Hußiten und Pickarder sichmit Uebersctzuugen der Bibel in ihre Landessprache geschleppt haben:und es wäre nicht unmöglich, daß Einser irgend eine solche deutscheUebcrsctzung geweynt hätte, auf welche Luther zugleich ein Auge ge-habt habe. Der Grund dieser meiner Vermuthung wird sich in demzweyten Abschnitt zeigen. Doch da dieses hier nichts verschlägt: solasse ich den Herrn Hauptpastor nur fvrtplaudern.
Er. „Alle diese Beschuldigungen getrauet sich kein vernünftiger„Katholik, die einzige Stelle Rom . 3, 28., wo er das Wort allein„gegen den Erundtexl hinzugethan haben sollte, ausgenommen, zu„wiederholen.
Ich. Ich weiß weder, wer dem Herrn Hauptpastor ein vernünf-tiger Katholik ist, noch was sich ein solcher getrauen würde. Ichweiß nur, daß es nicht darauf ankömmt, was jezt geschehen würde,sondern was damals geschah, als Luthers Uebersetzung noch neu war.Unmöglich kann Herr Göze izt von Bahrdts Uebersetzung mehr Bö-ses sagen, als Emser damals von Luthers sagte: und ob über 2WJahr die guten ^regeren sich auch noch getrauen werden, alle Vor-würfe zu wiederholen, die Herr Göze und seines gleichen Dahrdtenjezt machen, das muß die Zeit lehren. Hiermit aber will ich im ge-ringsten nicht mich zum Vertheidiger von Bahrdls Ucbcrsetzung aus-werfen: Ich will blos seine Befugniß, nach seinem Gewissen zu über-setze», rechtfertigen, die wenigstens in keinem Betracht geringer war,als Luthers Befugniß.
Er. „Zu eben der Zeit, da in den Niederlanden Luthers Ucber-„setzung auf das heftigste verdammt wurde, erschienen katholische" „Uebersctzuugen in holländischer Sprache/ mit dem privilegio„eben des Raisers, der Luthers Ucbersctzuug zum Feuer verurthcilte.„Kann Herr Lcßing nach seinem Grundsatze diesen Widerspruch heben?
Ich. Sehr leicht! denn wenn man dem gemeinen Manne eineketzerische Bibel in seiner Sprache nahm, so mußte man ihm ja wohlan deren Statt eine rechtgläubige i» der ucmlichcn Sprache wieder-geben; wenn er nicht glauben sollte, daß die Unterdrückung mehr aufdie Bibel, als auf die hineingelegte Ketzerei) gemünzt sey; besonderswenn der gcuicinc Mann desselben Landes schon ehedem eine unschäd-liche Bibel in seiner Sprache gehabt hatte. — Das wäre, dächte ich,eine sehr natürliche Antwort: wenn das Faktum anders seine Richtig-