Zu Natha» dein Weisen. 535
Ich. Ich erlasse ihn seines Dankes, damit er mit gutem Gewis-sen undankbar seyn kaun.
Er. „Bis Hieher ist das, was er vorgegeben, nicht so sonnen-„rlar, wie er rühmt, sondern vielmehr erweislich falsch.
Ich. Taß es wenigstens noch nicht erwiesen falsch ist, werdenunsre Leser wohl hoffentlich anfangen zu merken. — Und hiermit lasseich sie zu den
2) Anmerkungen,
In welchen sie finden werden, daß ich in den Zwischcnreden nichtsmehr geaussert habe, als was ich gut zu machen im, Stande bin.
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Zu Nathan dem Weisen.^)
ist allerdings wahr, und ich habe keinem meiner Freunde ver-hehlt, daß ich den ersten Gedanken zum Nalhau im Dckamcron desBoccaz gefunden. Allerdings ist die dritte Novelle des ersten Buchs,dieser so reichen Quelle theatralischer Produkte, der Keim, aus demsich Nalhau bey mir entwickelt hat. Aber nicht erst jetzt, nicht erstnach der Streitigkeit, In welche man einen Laye», wie mich, nichtbey den Haaren hatte ziehen sollen. Ich erinnere dieses gleich An-fangs, damit meine Leser nicht mehr Anspielungen suchen mögen, alsderen noch die letzte Hand hineinzubringen im Stande war.
Nathans Gesinnung gegen alle positive Religion ist von jeher diemeinige gewesen. Aber hier ist nicht der Ort, sie zu rechtfertigen.
Vorrede.
Wenn man sagen wird, dieses Stück lehre, daß cS nicht erst vongestern her uuter allerley Volke Leute gegeben, die sich über alle ge-offenbarte Religion hinweggesetzt hatten, und doch gute Leute gewesenwären; wenn man hinzufüge» wird, daß ganz sichtbar meine Absichtdahin gegangen sey, dergleichen Leute in einem weniger abscheuliche»
') Lcssmgs Lebe» Th. l (1793) S. 408.