Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
536
Einzelbild herunterladen
 

ZZ6

G- E. LeßkngsB i b l i o l a t r k e.

^«vrk^o?'^av. °)

Vorrede.

Ach habe das Wort Dibliolatrie nicht nach Idololatrie gemacht,und will keincsweges damit zu verstehen geben, daß irgend jemandnoch izt Abgötterei) mit der Bibel treibe.

Daß ehedem dergleichen geschehen, ist wohl nicht zu leugnen.Man überlege den vielfältigen Aberglauben, zu welchem besonders dasEvangelienbuch in den dunklen Zeiten gcmisbraucht worden: den knech-tischen Respekt, den man für das materielle Buch hatte, dessen (Seistman so wenig kannte. Wer den Greuel beysammen haben will, derlese Joh. Andr. Schmidts Lxoreitalionum luftoriLo-Ilieologiesruiildritte, 6e eultu Lvsn-zeliorum. Das alles entsprang aus Abgöllcrcl);oder lief auf Abgötterei) hinaus.

Und warum so weit zurückgehen? Wenn noch im Anfange diesesJahrhunderts ein angesehener Theolog der luthcrschen Kirche (*) esfür nöthig hielt, die Frage, ob die heil. Schrift Gott selbst sey?in einer eignen Schrift zu erörtern: so mnß eS doch wohl Leute ge-geben haben, welche diese Frage mit Ja beantworte» zu müssen ge-glaubt. Wie sollte es deren auch keine gegeben haben, da Lutherselbst ihnen in einer so wunderbaren Bejahung vorgegangen war?Luther selbst hatte die heilige Schrift mehr als einmal (Sott gcnennct:und wenn schon Luther desfalls zu entschuldigen wäre; hat er nieJünger gehabt, hat er Jünger nicht noch, die sich dadurch einer äh».lichen Entschuldigung unwürdig machen, daß sie das auch nicht zuverwerfen wagen, waS er selbst, more Icilieel maxnvrum viioruinet Li!ueism ws^oaruirl reruir» dsbeotium, zu verwerfen und zu ver-

") Theologischer Nachlaß S. 83. /,Die Vorrede dazu ist dreyfach da,jedesmal immer verbessert. Das übrige aber ist nur im ersten Entwürfe."Aarl Lessing S. 26.

(°) Georg Nitsche/GcneralsuperinlcndentdcsFürstcnlhumsGotha,171^.