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11 (1839)
Entstehung
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539
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Bibliolalrie.

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bessern, bey jeder Gelegenheit keinen Augenblick anstand? Mir istLuther noch weit anstößiger in einer andern Stelle, wo er sagt, daßdie heilige Schrift Christus geistlicher Leib sey, und eine solcheLrudität mit seinem treuherzigen Wahrlich besiegelt. Run werfeman dem Gegentheile noch vor, daß von seiner Seite geäußert wor-den, die ganze Bibel sey, ohne das Zeugniß der Kirche, nicht mehrund nicht weniger werth, als Aesvpi Fabclbuch! Kräftiger könnteman doch schwerlich die beyden äussersten Punkte der Abweichung be-zeichnen. Aber schon zu viel eine Saite gekniffen, die ich gar nichtberühren wollte. Auch muß man mir das einfache Latrie nichtaufmutzen, als ob es nur einen Dienst anzuzeigen bestimmt sey, wieer Gott zukomme. Denn diese Bedeutung hat cS selbst in den Schrif-ten, in welchen es sie am meisten hat, nicht immer. I^stris verc»,sagt Augustinus , (') l'eeuulluiii cousueluclinem, czus loculi tunk, lzninovis clivioa colloczuia conclielerunt, »ut temper, ant tsrn kreczuen-ter, ut ?ie»e tempor, es -lieilur lervilus, c^uss perlinet all colen-öum Deum. Der Unterschied, den die GotteSgelehrten der römisch-katholischen Kirche zwischen >-«^kic» und Soi^-t« machen, ist vollendsungcgründct; und Fatius (") hat gerade das Gegentheil davon fest-setzen wollen.

Kurz ich nehme Latrie in seinem allcrwcitcstcn Sinne; und ver-stehe unter Aibliolatrie weiter nichts, als den Gebrauch, den dieChristen von der Bibel und besonders von den Büchern des Neuen Te-staments , zu verschiedenen Feiten gemacht haben; weiter nichts als dieSchätzung und Verehrung, die sie, diesem verschiedenen Gebrauche zu-folge, verschiedentlich für jene Bücher gcfodcrt haben.

Nun kann den wenigsten von denen, die diese weine Schrift ausWahl in die Hand nehmen, unbekannt seyn, in welche Streitigkeitüber eine so verstandene Bibliolalrie, ich von einem Manne ex ikiigmento religioLs, nimia kuverl'tiliooe impalientiuns . . . namentlichvon dem Hrn. Hauptpastor Göze in Hamburg . . . gleichsam bey denHaaren gezogen worden. Ich sage, bey den Haaren gezogen worden.Nicht; weil ich mich vor einem solchen Streite, aus Unknndc derSache zu fürchten gehabt. Denn ich hatte cS längst für meine Pflichtgehalten, mit eigenen Angcn zu prüfen, liniä liciaiclum lit in eaul'sLllril'lisnorum. Nur; weil man dergleichen Untersuchungen doch ci-

(°) I)e e. v. liliro x> c. j.

(°°) Siehe dessen neuen Abdruck hinter dem Onomasticv des Hrn> Pro-fessor Sachs, '1'. ii> i'. »SS.