Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
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Bibliolatrie.

Was die griechischen Zeilen auf dem Titel sagen sollen: will mannoch wissen? Diese Zeilen sagt beym Euripides Jo , indem er dieStiiffcn vor dem Tempel des Apollo kehrt. Auch ich bin nicht imTempel, sondern nur am Tempel beschäftigt. Auch ich kehre nur dieStuffen, bis auf welche den Staub des innern Tempels die heiligenPriester zu kehren sich begnügen. Auch ich bin stolz auf diese geringeArbeit: denn ich weiß am besten, wem zn Ehre ich eS thue.

Erster, historischer Abschnitt.

Der bessere Theil meines Lebens ist glücklicher oder unglücklicherWeise? in eine Zeit gefallen, in welcher Schriften für die Wahrheitder christlichen Religion gewissermaßen Modeschriften waren. Nun wer-den Modeschriften, die meistcntheils aus Nachahmung irgend eines vor-treflichen Werks ihrer Art entstehen, das sehr viel Aussetzn macht, seinemVerfasser immer sehr ausgebreiteten Namen erwirbt . . . nnn werdenMoteschriftcn, sag' ich, eben weil es Modeschrislen sind, sie mögen seynvon welchem Inhalte sie wollen, so fleißig und allgemein gelesen, daßjeder Mensch, der sich nur in etwas mit Lesen abgicbt, sich schämenmuß, sie nicht auch gelesen zu haben. Was Wunder also, daß meineLektüre ebenfalls darauf verfiel, und ich gar bald nicht eher ruhenkonnte, bis ich jedes neue Produkt in diesem Fache habhaft werdenund verschlingen konnte. Lb ich daran gut gethan; auch wenn esmöglich gewesen wäre, daß bey dieser Unersättlichkeit, die nemlichewichtige Sache nur immer von einer Seite plädiren ju hören, dieNeugicrde nie entstanden wäre, cirolich doch auch einmal zu erfahren,was von der andern Seite gesagt werde: will ich hier nicht entscheiden.Genug, was unmöglich ausbleiben konnte, blieb bey mir auch nichteinmal lange aus. Nicht lange; und ich suchte jede neue Schriftwider die Religion nun eben so begierig auf, und schenkte ihr ebendas geduldige unpartheyische Gehör, das ich sonst nur den Schriftenfür die Religion schuldig zn seyn glaubte. So blieb es auch einegeraume Zeit. Ich ward von einer Seite zur andern gerissen; keinebefriedigte mich ganz. Die eine sowol als die andere ließ mich nurmit dem festen Lorsatze von sich, die Sache nicht eher abzuurtheln,yuam ulrinllue plemus luerit peroratum. Bis hicher, glaub' ich,ist es manchem andern gerade eben so gegangen. Aber auch in dem,was nun kömmt?

Je zusetzender die Schriftsteller von beyden Theilen wurdenund das wurden sie so ziemlich in der nemlichen Progression: der