Gegen eine Stelle aus Lestvon der Wahrheit der christlichen Religion.
Neueste Ausgabe S. 44.°)
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^>ch lese in einem Buche, in welchem ich mich so oft erbaue undunterrichte, Ignatius in seinem Briefe an die philadclphcr be-zeuge klar, daß schon zu seiner Zeit einige Schriften der Evangelistenund Apostel in einer Sammlung zusammengebracht gewesen. Dasmacht mich äusserst aufmerksam. Ich habe die Briefe des Ignatiusuur eben einmal durchblättert: (?ott! warum kann man nicht alles,alles mit der äussersten, gewissenhaftesten Aufmerksamkeit lesen.
Mein Verfasser ist so ein rechtschaffener Mann, als einer. DieStelle deSIgnatius nach seiner Uebersetzling lautet also: „Ich fliehe/,zu dem Evangelio, als dem Aörper Christi/ und zu den Apo-„steln, als dem Presbyter»» der Rirche. Allein, wir müsse»„auch die Propheten werth halten, denn auch diese kündigten„den Menschen an, daß sie ihre Hofnung auf das Evangelium„und auf Jesum gründen, und die Zukunft desselben erwar-ten sollten."
Was ist gegen diese Stelle zu sagen? und was kann ich dawiderhaben, wenn mein Verfasser von dem Seinen hinzusezt: „Jedermann„wird eingestehen, daß JgnatiuS hier durch die Propheten die„Schriften der Propheten A. T. meyne! und so ist wohl kein Zwei-„fel, daß Ignatius durch das Evangelium die Schriften der (5van„gellsten, und durch die Apostel die Schriften der Apostel verstehe."
Ta sich nun! sage ich zu mir selbst. Wie sehr hast du dich gcir-ret, wenn du bisher geglaubt, daß in den Kirchenvätern der zweyersten Jahrhunderte schlechterdings keine Spur von irgend einerSammlung neutestameullicher Schriften zu finden sey! Daß hierund da bey ihnen dieser und jener neutestamentlichen Schrift im ein-zeln gedacht werde: das wußtest du wohl. Aber einer Sammlungderselben! — Einer Sammlung! Gesteh, daß dir das etwas so frem-des, etwas so unerwartetes ist.
Auch muß ich, dem ersten Anblicke nach, allerdings bekennen, daßdie llebcrsctzung das Original völlig auszudrücken scheint. ilyc><7^-vz,^
°) Theologischer Nachlaß S. 185.