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11 (1839)
Entstehung
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Historische Einleitung in die OffenbarungJohannis. *)

Der Kanon sämmtlicher Schriften des neuen Testamentskömmt, wie ans Gerathewohl, ohne allen Plan, durchden Eifer einzelner Glieder zu Stande. Ueble Folge die-ser Freyheit. Getheilte Meynungen über verschiedne Briefe.Die Offenbarung Zohannis, ein Beweis, wie planlos sichder Kanon des neuen Testaments gebildet.

§. t.

Alan muß sich nicht einbilden, daß der Kanon der heiligen Schrif-ten, so wie wir ihn iezt haben, gleich nach den Zeiten der Apostel aufeinmal zu Stande gekommen sey. Die ersten Bücher, welche denChristen bekannt wurden, waren ohne Zweifel die Evangelien, woraufdie Briefe, einige früher, einige später, folgten. Die Kirchen, andie sie waren geschrieben worden, theilten sie einander mit, die Römerden Korinthcrn, die Korinther den Römern; und das mit allen Bric-fen, so wie sich die Bekanntschaft der christlichen Gemeinden erwei-terte. Da war weder Concilium, noch Pabst, noch höchst« Gewalt,die den Kanon der heiligen Schriften fest stellte. ES war das bloßeWerk der Zeit. Heute kam das eine, morgen ein andres Buch hinzu;und das lediglich, sagt Herr Z)asnage,(*) durch Veranstaltungeinzelner Glieder, welche die Schriften, die sie ihrer Erbauungzuträglich befunden hatten, in ihren Rirchen gangbar zu ma-chen wünschten. Sie nahmen sich so gar, sczt er hinzu, da-bey so viel Freyheit, daß sie offenbar untergeschobene Schrif-ten zu den kanonischen Büchern zählten. Ganze Kirchen warendarüber eben so verschiedener Mcvnung, als einzelne Glieder. Das»cmliche Buch, das die einen verwarfen, nahmen die ander» an.Man untersuchte, man stritt, ehe man annahm. Der zweyte Briefdes h- Petrus war anfangs nicht in dem Kanon; aber einige, sagtEusebiuS , ficiigcn an, ihn für nützlich zu halten, und so ficng manan, ihn sorgfältiger zu lese». Das ncmlichc meldet er von den Bric-

°) Theologischer Nachlas; S. 105,l°) Mtwlre ckv I't5klilc>. B. 8,