Womit sich die geoffenbarte Religion ammeisten weiß, macht mir sie gerade amverdächtigsten. °)
,,^!e geoffenbarte Religion, sagt man, gewährt uns allein die völ-lig „ngezweifelre Versicherung von der Unsterblichkeit der Seele.Die Vernunft speiset uns hierüber mit bloßen Wahrscheinlichkeiten ab."
Ich will dies einmal so wahr seyn lassen. Ich will nicht wieder-holen, was man so oft erinnert hat: nehmlich, daß eine geoffenbarteReligion, die sich auf menschliche Zeugnisse gründet, unmöglich eineungejweifcltt Versicherung in irgend etwas gewähren kann; (denn daßdie Zeugnisse worauf sie sich gründet, glaubwürdige Zeugnisse sind,kann höchstens doch nur höchst wahrscheinlich gemacht werden): soist ihre Versicherung doch auch nur eiue höchst wahrscheinliche Versiche-rung. Doch, wie gesagt, ich will es ganz ungezweifelt seyn lassen,daß uns die geoffenbarte Religion allein die völlige Versicherung vonder Unsterblichkeit der Seele gewähret.
Die völlige Versicherung, die völlige! Eine Versicherung beyder sich das Gegentheil gar nicht denken läßt. Sin Widerspruch, wennes je einen gegeben hat. — Doch ich will ja von dieser Seite denStreit nicht suchen. — Der Angriff scheint mir von einer andernSeile noch leichter.
Daß man die Menschen eben so von der Begierdeihr Schicksal in jenem Leben zu wissen, abhaltensolle, als man ihnen abräth zu forschen, was ihrSchicksal in diesem Leben sey. ")
o viel fängt man ziemlich an zu erkennen, daß dem Menschen mitder Wissenschaft des Zukünftigen wenig gedient sey; und die Vernunfthat glücklich genug gegen die thörichte Begierde der Menschen, ihr
') Lebe» II, S.2Z3.°°) Leben II, S 24Z.
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