Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
652
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Grammatisch - kritische Anmerkungen.

als nur vielmehr ein Bild von Gott bedeuten soll. Doch darumist es nicht nöthig, die Zuflucht zum Hebräischen zu nehmen. Un-ser eignes ab, welches nicht allein von, sondern auch nach bedeu-tet, kann diese Bedeutung schon genugsam erhärten: abmahlen,abzeichnen, heißt bloß nach etwas mahlen, zeichnen; Abglanz istgleichsam ein zweyter, ein von einem dunkeln, erleuchteten Körperzurückgeworfner Glanz; z. E. der Glanz des Mondes ist nichts alsein Abglanz der Sonne.

Abgunst, die Abnahme, die Entziehung der Gunst, an deren Stelledas Gegentheil noch nicht eingetreten seyn darf, dessen Daseyn dasWort Mißgunst andeutet. Die verschiedenen Staffeln wären alsoGunst, Abgunst, Mißgunst, Neid, welches auch von den Beywör-tern gilt.Er, der sonst so vielen Antheil an meinem Wohlerge-hen nahm, fängt an, mir sehr abgünstig zu werden; ja, ich darfsagen, daß ich schon mehr als Eine Probe seiner Mißgunst habeerfahren müssen." Ich berufe mich auf eines jeden feines Gefühl,daß es auffallen würde, wenn Mißgunst hier vor, und Abgunstnach stände. Neid, wenn es nicht ausdrücklich auf etwas Einzelneseingeschränkt wird, ist allgemeine Mißgunst. Auch der beste Menschkann mißgünstig seyn, gegen den und jenen, der ihm ein Glücknicht zu verdienen scheint; aber darum heißt er noch nicht neidisch.

Abbild ist nicht bloß Bild oder Abriß, sondern das Bild von einemBilde, lind so braucht eS auch wirklich der Dichter, der Abbilddem Urbilde entgegensetzt. Wenn wir auch Abbild-nicht, wie dieHolländer, für Portrait brauchen könnten, indem schon Bild imGegensatz des Gemäldes ein Portrait zn bedeuten Pflegt; so könn-te» wir es doch sehr wohl für die Copie brauchen, die ein guterMeister oft von einem seiner Stücke zu machen ersticht wird. Sowürde ich in der Emiiia Galotti, anstatt:die Schildercy selbst,wovor sie gesessen, hat ihr abwesender Vater bekommen. Aberdiese Ropie" gar wohl haben sagen können:das Bildselbst Aber dieses Abbild;" wenn eS im Dramatischen nichtmehr darauf ankäme, der Person ihr angemessene, als guteWorte in den Muud zu legen.

Abbinden. Ehedem brauchte man dieses Zeitwort, in der angegebenenBedeutung für zu Staude bringen, völlig fertig binden, auch sigü»lich, und etwas abbinden hieß auch, caiiila lerum exneiu'ro. Da-mit ich es kurz abbinde, war so viel alS: damit ich es kurz mache,daß ich endlich mit Wenigem anzeige, worauf die Sache haupt-sächlich und allein ankommt. Ich führe diese Redensart an, nicht