Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
653
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Grammatisch-kritische Anmerkungen. 653

sowohl, weil sie für sich selbst werth wäre, wieder in Gang ge-bracht zu werden, sondern weil sie mir eine andre zu erklärenscheint, welche sehr gewöhnlich ist. Nehmlich man sagt von einemManne, der wenig Worte macht, der seinen Entschluß auf derStelle faßt: er ist kurz angebunden. Was heißt dieses anders,als: er bindet in Allem kurz ab? Nur weil man diese Bedeutungvon abbinden zu vergessen anfing, machte man daraus anbindenund indem Leute, die den ganzen Sinn der Redensart nicht faßten,vielleicht an einen Hund dachten, den man um so kürzer anzubin-den pflegt, je böser er ist, brauchte man die Redensart von einemJähzornigen.

Abbitten, sich etwas, für sich etwas verbitten, braucht Wicland.Wo ein solcher Schriftsteller von dem Gewöhnlichen abweicht, wirder gewiß seinen Grund haben; und die Abweichungen desselben an-merken, heißt Gelegenheit geben, über die Sprache zu denken.

Abend. Frischcns und Wachters Ableitung von dem veralteten Zeit-worte Abcn, absteigen, abnehmen, mag freylich wohl nicht diewahre seyn; aber Herrn JhrcnS Ableitung von dem Jslantischcnoplan, nach, möchte ich doch auch nicht vorziehen. Das Hebräische»li uiid unlu-n, er hat verfinstert, läßt mich vermuthen, daß hiernoch ein ganz andres Stammwort verloren gegangen seyn werde.

Wenn Abend figürlich das Ende von etwas bedeutet; so ge-schieht cS mehr nach einer fremden, oder nach unsrer jetzigen Artzu reden, als nach der Altdeutschen. Denn bey unsern Vorfahren,welche die Zeit so angaben, ut »c»x ^ucero clieru vitleatur, wieTacituS sagt; d. i., welche den bürgerlichen Tag von einem Abendzum andern rechneten, muß Abend vielmehr der Anfang von etwasgeheißen haben, lind in diesem Verstände steht es vielleicht nochin dem Sprichwortc: Gewinnen ist der Abend von Verlieren, d. i.wenn man lange gewonnen, muß man sich gefaßt halten zu ver-lieren. Freylich kann es aber auch heißen: Wenn man lange ver-loren, hat man Hoffnung, endlich zu gewinnen. Das Sprichwortkann sehr alt seyn, angenommen den besondern Spieleifer unsererlieben Urältern.

Alle Zusammensetzungen von Abend, besonders die poetischen,mitzunehmen, dürfte wohl eben so schwer, als unnöthig seyn. Dieeinen verdienen eS indeß eben so wohl, als die andern, lind sofehlen z. ö. Abendglocke, für: das Abendläuten der Glocke;Abendgefilde, gegen Abend liegende Gefilde. Zach.Aebicht, das Wort ist gut, und wohl beyzubehalten. Man braucht