Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
654
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Grammatisch > kritische Anmerkuiigen.

es auch von der verwandten oder umgekehrten Hand. So hörtman oft in Sachsen: Geh, oder ich will dir mit der abichten einsgeben. Ein andres Wort, das gleichfalls so viel als äbicht bcdcutet, klingt nicht so fein; nehmlich:Acrschlich/ arschlings; cS ist aber auch Hechdeutsch. Adclnng hateS nicht. Und man sollte, meyn' ich, in einem Wörterbuchc dieserMundart auch dergleichen Feinheiten mit anmerken, wenn mannicht das Ansehen haben will, dem übrigen Deutschlande weis ma-chen zu wollen, daß diese Mundart allein sich immer anständigund edel ausdrücke.

Noch einige fehlende Worter:

Aalen , das Zeitwort für Aale fangen, hat Sckollcl ausdrücklich.(Lon der T. Haupt-Spr. S. 1277.) Und warum nicht? Wirmachen ja nicht allein von Fisch fischen, sondern anch von Krebskrebsen. Noch erinnere ich mich, aalcn als ein Kunstwort unsererRöhrmeistcr gefunden zu haben; für: eine verschlemmie Röhrelüften, indem man einen lebendigen Aal durchschlüpfen läßt.

Abdangen / durch bange machen einem etwas ablisten, abpressen. Ichweiß keine gedruckte Auctorität; aber ich habe sagen hören: Erhat mir mein HauS mehr abgcbangt, als abgekauft.

Abbillige,,, ein gutes und nöthiges Wort, eine besondre Art desAbcrkenncnS auszudrücken. Aberkennen ist das Allgemeine; abbilli-gen und absprechen sind das Besondere. Dieses bezieht sich ansden Spruch des Gesetzes, jenes ans die Billigkeit; abbilligcn istSache des SchicdsmannS, absprechen des Richters.Leider sinddie Gesetze oft so, daß der Richter einem etwas absprechen mnfi,was er ihm nicht abbilligen würde."

Acfern ist noch nicht so lange veraltet, wie Adclnng meynt. Dennnoch in dem Eselskömge, einem meisterhaften Buche des vorigenJahrhunderts, kommt cS S. 247 vor.

Ein gutes Französisches Sprichwort.

Ich wünschte, daß wir Deutschen diejenigen Sprichwörter, die ausdem Französischen j»r Zeit noch nicht geborgt sind, noch borgten.

Wenn wir z. B. von Dingen, deren cS nur wenige giebt, sagen,daß sie sich an den Fingern zählen lassen; warum sollte mannicht von Dingen, die fast einzig in ihrer Art sind, im Scherze saaen

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