Druckschrift 
11 (1839)
Entstehung
Seite
692
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K92

Philologischer Nachlaß.

ten Geschenke nicht beschädigen sollen. Eine schone, aber eben nichtsolenne Ocffnung der tragischen Bühne! Aber so ist der Geschmackdes Euripides: er liebt die Aussichten in das niedre gemeine Lebe«/und nähert seine Personen sehr gern dem Stande des größten Theilsseiner Zuschauer.

Die Zeilen selbst, wie Ion die Vögel verscheucht, sind ungemeinnaif, und zeigen deutlich, daß der Adler, der Schwan wirklich zu se-hen gewesen. Die Alten waren also keine Feinde von den Maschinen,die wir jetzt in die Oper verwiesen haben.IW. Sonst hätte ich in diesen Zeilen noch eine kleine Veränderungvorzuschlagen. Ich glaube nehmlich, daß die 169stc Zeile verrücktist und gleich nach der 164sten gelesen werden muß. Den» diewohlstimmigen Lieder blutig machen, ist wohl sehr hart gesagt;da hingegen nach meiner Versetzung der ^ceulslivus ^a? --«>.>.l-y>Aoziz>o^? -i-ö«? von o-i^,lo>«o? regiert wird, und der schöneVerstand herauskommt, daß die Cithcr dcS Phöbus die schönstim-migen Lieder des Schwans begleite.

2. Die letzte Hälfte 'des 224sten und die erste des 22Sstcn VcrseSscheint ganz auSzustreichen zu seyn.

3. Daß EuripideS zur Unzeit moralisirt, ist bekannt genug, unddas will ich ihm als einem Freunde dcS SokrateS vergeben. Aber daßer zur Unzeit malt, das verzeihe ich ihm nicht. Man sehe ein sehrmerkwürdiges Exempel davon V-1l4t1465. Crcusa ist verrathen,und das aufgebrachte Volk sucht sie überall, um sie zu steinigen. EinBedienter kommt und meldet dieses dem Chöre, welcher aus den Skla-vinnen der Creusa bestehet. Sie erschrecken und lassen sich den gan-zen Verlauf der Sache erzählen. Dieses hätte so kurz als möglichgeschehen sollen. Aber nichts weniger. Die Beschreibung des Zeltes,unter welchem die That geschehen, und der Tapeten, mit welchen erausgcziert worden, nimmt an die 30 Verse ein. Verdammter Erzäh-ler! Du selbst zitterst für deine Gebieterin, die dich hören, zitternfür sie, und zittern zugleich für sich selbst, weil sie das ergrimmteVolk zugleich mit ihrer Gebieterin dürfte hinrichten lassen; die Zu-schauer zittern: und du malst uns das Gewirke der Tapeten, den gan-zen gestirnten Himmel von Seide!

Man sagt so viel von den Fehlern des Shakespear. Man nennemir nur Einen, der diesem das Gewicht halte. Von ShakcspcarSFehlern getraue ich mir fast immer einen Grund angeben zu können.Er begeht sie, um die Hauptsache zu befördern, und die Zuschauerdesto lebhafter zu rühren. Aber dieser Fehler des Euripides läuft just