22 Hambnrgische Dramaturgie.
thcilung zeuget. Ich glaube die Liebeserklärung, welche sie demOlint thut, noch zu hören:
„— Erkenne mich! Ich kann nicht länger schweigen;„Verstellung oder Slolj sey niedern Seelen eigen.„Olint ist in Gefahr, und ich bin außer mir —„Bewundernd sah ich oft im Krieg und Schlacht nach dir;„Mein Herz, das vor sich selbst sich zu entdecken scheute,„War wider meinen Ruhm und meinen Stolz im Streite.„Dein Unglück aber reißt die ganze Seele hin,„lind itzt erkenn ich erst wie klein, wie schwach ich bin.„Jtzt, da dich alle die, die dich verehrten, hassen,„Da du zur Pein bestimmt, von jedermann verlassen,„Verbrechern gleich gestellt, unglücklich und ein Christ,„Dem furchtbar» Tode nah, im Tod noch elend bist:„Jtzt wag ichs zu gestehn: itzt kenne meine Triebe!Wie frey, wie edel war dieser Ausbruch! Welches Feuer,welche Inbrunst beseelten jeden Ton! Mit welcher Zudringlich-keit, mit welcher Ucbcrströmung des Herzens sprach ihr Mitleid!Mit welcher Entschlossenheit ging sie auf das Bekenntniß ihrerLiebe los! Aber wie unerwartet, wie überraschend brach sieauf einmal ab, und veränderte auf einmal Stimme und Blick,und die ganze Haltung des Körpers, da es nun darauf ankam,die dürren Worte ihres Bekenntnisses zu sprechen. Die Augenzur Erde geschlagen, nach einem langsamen Seufzer, in demfurchtsamen gezogenen Tone der Verwirrung, kam endlich,
„Ich liebe dich, Olint, —heraus, und mit einer Wahrheit! Auch der, der nicht weiß,ob die Liebe sich so erklärt, empfand, daß sie sich so erklärensollte. Sie entschloß sich als Heldinn, ihre Liebe zu gestchen,und gestand sie, als ein zärtliches, schamhaftes Weib. So Krie-gcrinn als sie war, so gewöhnt sonst in allem zu männlichenSitten: behielt das Weibliche doch hier die Oberhand. Kaumaber waren sie hervor, diese der Sittsamkcit so schwere Worte,und mit eins war auch jener Ton der Freymüthgkeit wiederda. Sie fuhr mit der sorglosesten Lebhaftigkeit, in aller derunbekümmerten Hitze des Affekts fort: