Erster Band.
— - — Und stolz auf mciiic Liebe,„Stolz, daß dir meine Macht dein Leben retten kann,„Bieth ich dir Hand nnd Herj, und .ttron und Purpur a».Den» die Liebe äußert sich nun als großmüthige Freundschaft:und die Freundschaft spricht eben so dreist, als schüchterndie Liebe.
Fünftes Srück.Den l6tcn May, 17K7.ES ist unstreitig, daß die Schauspielerinn durch diese mcistcr-haftc Absetzung der Worte,
„Ich liebe dich, Llint, —der Stelle eine Schönheit gab, von der sich der Dichter, beydein alles in dem nehmlichen Flusse von Worten daher rauscht,nicht das geringste Verdienst bcymcsscn kann. Aber wenn esihr doch gefallen hätte, in diesen Verfeinerungen ihrer Rollefortzufahren! Vielleicht besorgte sie, den Geist des Dichters ganzzu verfehlen; oder vielleicht scheute sie den Vorwurf, nicht das,was der Dichter sagt, sondern was er hätte sagen sollen, gespieltzu haben. Aber welches Lob könnte größer seyn, als so einAorwurf? Freylich muß sich nicht jeder Schauspieler einbilden,dieses Lob verdienen zu können. Denn sonst möchte es mit denarmen Dichtern übel aussehen.
Croncgk hat wahrlich aus seiner Clorindc ein sehr abgeschmack-tes, widerwärtiges, häßliches Ding gemacht. Und dem ohngc-achtct ist sie noch der einzige Charakter, der uns bey ihm in-tcrcßirct. So sehr er die schöne Natur in ihr verfehlt, so thutdoch noch die plumpe, ungeschlachte Natur einige Wirkung.Das macht, weil die übrigen Charaktere ganz außer aller Natursind, und wir doch noch leichter mit einem Dragoner von Weibe,als mit himmclbrütendcn Schwärmern sympathisircn. Nur ge-gen das Ende, wo sie mit in den begeisterten Ton fällt, wirdsie uns eben so gleichgültig und eckcl. Alles ist Widerspruch inihr, und immer springt sie von einem Acußcrstc» auf das an-dere. Kaum hat sie ihre Liebe erklärt, so fügt sie hinzu:
„Wirst du mein Herz verschmähn? Tu schweigst? — Entschliefst dich;
„Und wenn du zweifeln kannst — so zittrc!