Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
52
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Hamburgischt Trnmainrgie.

bloße verkleidete Komödiant, der nichts hat, nichts sagt, nichtsthut, was es wahrscheinlich machen könnte, er wäre das, wofürer sich ausgiebt; alle Umstände vielmehr, nnter welchen er er-scheinet, stören den Betrug, und verrathen das Geschöpf eineskalten Dichters, der uns gern täuschen und schrecken möchte, ohnedaß er weiß, wie er es anfangen soll. Man überlege auch nurdieses einzige: am hellen Tage, mitten in der Vcrsamlung derStände des Reichs, von einem Donnerschlage angekündiget, trittdas Voltairische Gespenst aus seiner Gruft hervor. Wo hatVoltaire jemals gehört, daß Gespenster so dreist sind? Welchealte Frau hätte ihm nicht sagen können, daß die Gespenster dasSonnenlicht scheuen, und große Gesellschaften gar nicht gernbesuchten? Doch Voltaire wußte zuverläßig das auch; aber erwar zu furchtsam, zu eckcl, diese gemeinen Umstände zu nutzen;er wollte uns einen Geist zeigen, aber es sollte ein Geist voneiner edlcrn Art seyn; und durch diese edlere Art verdarb er alles.Das Gespenst, das sich Dinge herausnimmt, die wider allesHerkommen, wider alle gute Sitten unter den Gespenstern sind,dünket mich kein rechtes Gespenst zu seyn; und alles, was dieIllusion hier nicht befördert, störet die Illusion.

Wenn Voltaire einiges Augenmerk auf die Pantomime ge-nommen hätte, so würde er auch von einer andern Seite die Un-schicklichkeit empfunden haben, ein Gespenst vor den Augen einergroßen Menge erscheinen zu lassen. Alle müssen auf einmal,bey Erblickung desselben, Furcht und Entsetzen äußern; allemüssen es auf verschiedene Art äußern, wenn der Anblick nichtdie frostige Symmetrie eines Ballcts haben soll. Nun richteman einmal eine Hccrde dumme Statisten dazu ab; und wennman sie auf das glücklichste abgerichtet hat, so bedenke man,wie sehr dieser vielfache Ausdruck des nehmlichen Affekts dieAufmerksamkeit theilen, und von den Hauptpersonen abziehenmuß. Wenn diese den rechten Eindruck auf uns machen sol-len, so müssen wir sie nicht allein sehen können, sondern esist auch gut, wenn wir sonst nichts sehen, als sie. BeymShakcspear ist es der einzige Hamlet, mit dem sich das Ge-spenst einläßt; in der Scene, wo die Mutter dabey ist, wirdes von der Mutter weder gesehen noch gehört. Alle unsere