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Hamburgisclic Tramaturgic.
Handel zn ziehen; lind so haben seine beiden Stücke, wenn schonnicht die höchsten Schönheiten ihrer Gattung, wenigstens andere,die sie noch immer zu sehr schätzbaren Werken machen. Er suchtesich mit dem einen sowohl, als mit dem andern, der französi-schen Regelmäßigkeit mehr zu nähern; aber noch zwanzig Addi-sons, und diese Regelmäßigkeit wird doch nie nach dem Ge-schmacke der Engländer werden. Begnüge sich damit, wer keinehöhere Schönheiten kennet!
Dcstouchcs, der in England persönlichen Umgang mit Ad-dison gehabt hatte, zog das Lustspiel desselben über einen nochfranzösischcrn Leisten. Wir spielen es nach seiner Umarbeitung;in der wirklich vieles feiner und natürlicher, aber auch mancheskalter und kraftloser geworden. Wenn ich mich indeß nicht irre,so hat Madame Gottsched, von der sich die deutsche Übersetzunghcrschrcibt, das englische Original mit zur Hand genommen, undmanchen guten Einfall wieder daraus hergestellet.
Den neunzehnten Abend (Montags, den tSten May,) wardder verhcyrathcte Philosoph, vom Destouches, wiederholt.
Des Rcgnard Demokrit war dasjenige Stück, welches denzwanzigsten Abend (Dienstags, den lütcn May,) gespickt wurde.
Dieses Lustspiel wimmelt von Fehlern und Ungereimtheiten,und doch gefällt es. Der Kenner lacht dabey so herzlich, alsder Unwissendste aus dem Pöbel. Was folgt hieraus? Daßdie Schönheiten, die es hat, wahre allgemeine Schönheiten seynmüssen, und die Fehler vielleicht nur willkührlichc Regeln be-treffen, über die man sich leichter hinaussetzen kann, als es dieKunstlichter Wort haben wollen. Er hat keine Einheit deßOrts beobachtet: mag er doch. Er hat alles Ucblichc aus denAugen gesetzt: immerhin. Sein Demokrit siebt dem wahrenDemokrit in keinem Stücke ähnlich; sein Athen ist ein ganz an-ders Athen, als wir kennen: nun wohl, so streiche man Demo-krit und Athen aus, und setze blos erdichtete Namen dafür.Rcgnard hat es gewiß so gut, als ein anderer, gewußt, daßum Athcn keine Wüste und keine Tiger und Bäre waren; daßes, zu der Zeit des Dcmokrits, keinen König hatte u. s. w. Aberer hat das alles itzt nicht wissen wollen; seine Absicht war, dieSitten seines Landes unter fremden Namen zu schildern. Diese
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