Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
81
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erster Band.

thut das? Ich wollte, daß alle Narren unter uns Ausländerwaren!Er trägt sich, wie sich kein Mensch unter uns trägt:" so braucht er nicht erst lange zu sagen, wer er ist.Esist widersinnig, das nehmliche Individuum alle Tage in einemandern Stucke erscheinen zu sehen." Man muß ihn als keinIndividuum, sondern als eine ganze Gattung betrachten; es istnicht Harlekin, der heute im Timon, morgen im Falken, über-morgen in den falschen Vertraulichkeiten, wie ein wahrer Hansin allen Gassen, vorkömmt; sondern es sind Harlekine; die Gat-tung leidet tausend Varietäten; der im Timon ist nicht der imFalken; jener lebte in Griechenland, dieser in Frankreich ; nurweil ihr Charakter einerley Hauptzüge hat, hat man ihnen einer-ley Namen gelassen. Warum wollen wir ccklcr, in unsernVergnügungen wähligcr, und gegen kahle Ncrnünftclcycn nach-gebender seyn, ais ich will nicht sagen, die Franzosen undItaliener sind sondern, als selbst die Römer und Griechenwaren? War ihr Parasit etwas anders, als der Harlekin?Hatte er nicht auch seine eigene, besondere Tracht, in der er ineinem Stücke über dem andern vorkam? Hatten die Griechennicht ein eigenes Drama, in das jederzeit Satyri cingcflochtcnwerden mußten, sie mochten sich nun in die Geschichte des Stücksschicken oder nicht?

Harlekin hat, vor einigen Jahren, seine Sache vor demRichtcrstuhle der wahren Kritik, mit eben so vieler Laune alsGründlichkeit, vertheidiget. Ich empfehle die Abhandlung deSHerrn Möscr über das Groteske-Komische, allen meinen Lesern,die sie noch nicht kennen; die sie kennen, deren Stimme habeich schon. Es wird darinn beyläufig von einem gewissen Schrift-steller gesagt, daß er Einsicht genug besitze, dcrmalcins der Lobrcd-ner des Harlekin zu werden. Ztzt ist er es geworden! wird mandenken. Aber nein; er ist es immer gewesen. Den Einwurf, denihm Herr Möscr widcr den Harlekin in den Muud legt, kanner sich nic gemacht, ja nicht einmal gedacht zu haben erinnern.

Ausser dem Harlekin kömmt in den falschen Vertraulichkeitennoch ein anderer Bedienter vor, der die ganze Intrigue führet.Beide wurden sehr wohl gespielt; und unser Theater hat übcr-

Lessmgs Werke vii. g