Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
82
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Hamburgische Dramcilurgie.

baupt, an den Herren Henscl und Mcrschy, ein Paar Akteurs,die man zu den Bcdicntcnrollcn kaum besser verlangen kann.

Den zwey und zwanzigsten Abend (Donnerstags, den 2tstcnMai?,) ward die Zclmirc des Herrn Du Bclloy aufgeführet.

Der Name Du Bclloy kann niemanden unbekannt seyn, derin der neuern französischen Litteratur nicht ganz ein Fremdlingist. Des Verfassers der Belagerung von Calais ! Wenn esdieses Stück nicht verdiente, daß die Franzosen ein solches Ler-mcn damit machten, so gereicht doch dieses Lcrmc» selbst, denFranzosen zur Ehre. Es zeigt sie als ein Volk, das auf seinenRuhm eifersüchtig ist; auf das die großen Thaten seiner Vor-fahren den Eindruck nicht verloren haben; das, von dem Wertheeines Dichters und von dem Einflüsse des Theaters auf Tugendund Sitten überzeugt, jenen nicht zu seinen unnützen Gliedernrechnet, dieses nicht zu den Gegenständen zählet, um die sichnur geschäftige Müßiggänger bekümmern. Wie weit sind wirDeutsche in diesem Stücke noch hinter den Franzosen! Es ge-rade herauszusagen: wir sind gegen sie noch die wahren Bar-baren! Barbarischer, als unsere barbarischsten Vorältern, denenein Licdcrsänger ein sehr schätzbarer Mann war, und die, beyaller ihrer Gleichgültigkeit gegen Künste und Wissenschaften, dieFrage, ob ein Barde, oder einer, der mit Bärfcllcn und Bern-stein handelt, der nützlichere Bürger wäre? sicherlich für dieFrage eines Narren gehalten hätten! Ich mag mich inDeutschland umsehen, wo ich will, die Stadt soll noch gcbauctwerden, von der sich erwarten liesse, daß sie nur den tausend-sten Theil der Achtung und Erkenntlichkeit gegen einen deutschenDichter haben würde, die Calais gegen den Du Bclloy gehabthat. Man erkenne es immer für französische Eitelkeit: wie weithaben wir noch hin, ehe wir zu so einer Eitelkeit fähig seynwerden! Was Wunder auch? Unsere Gelehrte selbst sind kleingenug, die Nation in der Geringschätzung alles dessen zu bestär-ken, was nicht gerade zu den Beutel füllet. Man spreche voneinem Werke des Genies, von welchem man will; man redevon der Aufmunterung der Künstler; man äußere den Wunsch,daß eine reiche blühende Stadt der anständigsten Erholung fürMänner, die in ihren Geschäften des Tages Last und Hitze ge-