erster Band.
139
jcnigcn für den ältesten zn erklären, nnd ihn dadurch auf denThron zu setzen, welcher eine gewisse Bedingung eingehen wolle;laßt uns erdichten, daß diese Bedingung der Tod der Rodoguncsey. Nun hätten wir ja, was wir haben wollten: beide Prin-zen sind in Rodoguncn sterblich verliebt; wer von beiden seineGeliebte umbringen will, der soll regieren.
Schon; aber könnten wir den Handel nicht noch mehr ver-wickeln? Könnten wir die guten Prinzen nicht noch in größereVerlegenheit setzen? Wir wollen versuchen. Laßt uns alsoweiter erdichten, daß Rodogunc den Anschlag der Cleopatra er-fährt; laßt uns weiter erdichten, daß sie zwar einen von denPrinzen vorzüglich liebt, aber cS ihm nicht bekannt hat, auchsonst keinem Menschen es bekannt hat, noch bekennen will, daßsie fest entschlossen ist, unter den Prinzen weder diesen geliebtem,noch den, welchem der Thron hcimfallcn dürfte, zu ihrem Ge-mahle zu wählen, daß sie allein den wählen wolle, welchersich ihr am würdigsten erzeigen werde; Rodogunc muß gcrächctseyn wollen, muß an der Mutter der Prinzen gcrächct scynwollen; Rodogunc muß ihnen erklären: wer mich von euch ha-ben will, der ermordc seine Mutter!
Bravo! Das nenne ich doch noch eine Intrigue! DiesePrinzen sind gut angekommen! Die sollen zu thun haben, wennsie sich hcrauswickcln wollen! Die Mutter sagt zu ihnen: wervon euch regieren will, der ermorde seine Geliebte! Und dieGeliebte sagt: wer mich haben will, ermorde seine Mutter! Esversteht sich, daß es sehr tugendhafte Prinzen seyn müssen, dieeinander von Grund der Seele lieben, die viel Respekt für denTeufel von Mamma, und eben so viel Zärtlichkeit für eine lieb-äugelnde Furie von Gebictherinn haben. Denn wenn sie nichtbeide sehr tugendhaft sind, so ist die Verwicklung so arg nicht,als es scheinet; oder sie ist zu arg, daß es gar nicht möglichist, sie wieder aufzuwickeln. Der eine geht hin und schlägt diePrinzeßinn todt, um den Thron zu haben: damit ist es aus.Oder der andere geht hin und schlägt die Mutter todt, um diePrinzeßinn zu haben: damit ist es wieder aus. Oder sie gehenbeide hin, und schlagen die Geliebte todt, und wollen beide denThron haben: so kann es gar nicht auswerdcn. Oder sie