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7 (1839)
Entstehung
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Hamburgische Vramaiurgie.

trägt seine Gründe dagegen vor, die zwar nicht eigentlich dieAusflucht des Datier bestreiken, aber ihn doch sonst erheblich ge-nug dünken, um seinen Autor lieber gänzlich im Stiche zu las-se», als einen neuen Versuch zu wage», etwas zu retten, wasnicht zu retten sey.Ich überlasse, schließt er, einer tiefernEinsicht, diese Schwierigkeiten zu hebe»; ich kann kein Lichtzu ihrer Erklärung finden, und scheinet mir wahrscheinlich, daßunser Philosoph dieses Kapitel nicht mit seiner gewöhnlichenVorsicht durchgcdacht habe."

Ich bekenne, daß mir dieses nicht sehr wahrscheinlich schei-net. Eines offenbaren Widerspruchs macht sich ein Aristotelesnicht leicht schuldig. Wo ich dergleichen bey so einem Mannezu finden glaube, setze ich das größere Mißtrauen lieber in mei-nen, als in seinen Verstand. Zch verdoppele meine Aufmerk-samkeit, ich überlese die Stelle zehnmal, und glaube nicht eher,daß er sich widersprochen, als bis ich aus dem ganzen Zusam-menhange seines Systems ersehe, wie und wodurch er zu diesemWidersprüche verleitet worden. Finde ich nichts, was ihn dazuverleiten können, was ihm diesen Widerspruch gcwissermaaßcnunvermeidlich machen müssen, so bin ich überzeugt, daß er nuranscheinend ist. Denn sonst würde er dem Verfasser, der seineMaterie so oft überdenken müssen, gewiß am ersten aufgefallenseyn, und nicht mir ungeübter»! Leser, der ich ihn zu meinemUnterrichte in die Hand iichmc. Zch bleibe also stehe», verfolgeden Faden seiner Gedanken zurück, pondcrirc ein jedes Wort,und sage mir immer: Aristoteles kann irren, und hat oft gcir-rct; aber daß er hier etwas behaupte» sollte, wovon er ausder nächsten Seite gerade das Gegentheil behauptet, das kannAristoteles nicht. Endlich findet sichs auch.

Dock ohne weitere Umstände; hier ist die Erklärung, anwelcher Herr Curtius verzweifelt. Auf die Ehre einer tiefernEinsicht mache ich desfallS keinen Anspruch. Zch will mich mitder Ehre einer größcrn Bescheidenheit gegen einen Philosophen,wie Aristoteles , begnügen.

Nichts empfiehlt Aristoteles dem tragischen Dichter mehr,als die gute Abfassung der Fabel; und nichts hat er ihm durchmehrere und feinere Bemerkungen zu erleichtern gesucht, als eben