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7 (1839)
Entstehung
Seite
171
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erster Band.

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diese. Denn die Fabel ist es, die den Dichter vornehmlich zumDichter macht: Sitten, Gesinnungen und Ausdruck werden zeh-nen gerathen, gegen einen, der in jener untadclhast und vor-trefflich ist. Er erklärt aber die Fabel durch die Nachahmungeiner Handlung, Tc?«^-^; und eine Handlung ist ihm eineVerknüpfung von Begebenheiten, o^i^x»--.-; ^«^>.«^u. DieHandlung ist das Ganze, die Begebenheiten sind die Theile die-ses Ganzen: und so wie die Güte eines jeden Ganzen, auf derGüte seiner einzeln Theile und deren Verbindung beruhet, soist auch die tragische Handlung mehr oder weniger vollkommen,nach dem die Begebenheiten, ans welchen sie bestehet, jede fürsich und alle zusammen, den Absichten der Tragödie mehr oderweniger entsprechen. Nun bringt Aristoteles alle Begebenheiten,welche in der tragischen Handlung Statt haben können, unterdrey Hauptstücke: des Glückswcchscls, ?r^t?rx^«c;z der Erkennung,«^'«^'uipto-^o^; und des Leidens, ?r«^oi^. Was er unterden beiden erstem versteht, zeigen die Worte genugsam; unterdem dritten aber faßt er alles zusammen, was den handeln-den Personen verderbliches nnd schmerzliches wiedcrfahrcn kann;Tod, Wunden, Martern und dergleichen. Jene, der Glücks-wechscl und die Erkennung, sind das, wodurch sich die ver-wickelte Fabel, ^-.^o? Treir^x^xvo?, von der einfachen, «ir^!j>,unterscheidet; sie sind also keine wesentliche Stücke der Fabel;sie machen die Handlung nur mannichfalligcr, und dadurch schö-ner und interessanter; aber eine Handlung kann auch ohne sieihre völlige Einheit nnd Rundung und Größe haben. Ohnedas dritte hingegen läßt sich gar keine tragische Handlung den-ken; Arten des Leidens, ^«A-r,, muß jedes Trauerspiel habe»,die Fabel desselben mag einfach oder verwickelt seyn; denn siegehen geradezu auf die Absicht des Trauerspiels, auf die Erre-gung des Schreckens und Mitleids; dahingegen nicht jeder Glücks-wechsel, nicht jede Erkennung, sondern nur gewisse Arten der-selben diese Absicht erreichen, sie in einem höher» Grade erreichenhelfen, andere aber ihr mehr nachtheilig als vorthcilhaft sind.Indem mm Aristoteles , aus diesem Gesichtspunkte, die vcrschicd-ncn unter drey Hauptstückc gebrachten Theile der tragischenHandlung, jeden insbesondere betrachtet, und untersuchet, wcl-