Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
182
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Hambnrgischt Dramaturgie.

ficht kommen, sich an dem Tyrannen zu rächen; er muß nicht'von Mcropen für den Mörder ihres Sohnes gehalten werden,weil er sich selbst dafür auszieht, sondern weil eine gewisseVerbindung von Zufällen diesen Verdacht auf ihn ziehet: dennkennt er seine Mutter, so ist ihre Verlegenheit bey der erstenmündlichen Erklärung aus, und ihr rührender Kummer, ihrezärtliche Verzweiflung hat nicht freyes Spiel genug.

Und diesen Veränderungen zu Folge, kann man sich denMaffeischcn Plan ungefehr vorstellen. Polyphontcs regieret be-reits fünfzehn Zahrc, und doch fühlet er sich auf dem Thronenoch nicht befestiget genug. Denn das Volk ist noch immerdem Hause seines vorigen Königes zugethan, und rechnet aufden letzten geretteten Zweig desselben. Die Mißvergnügten zuberuhigen, fällt ihm ein, sich mit Mcropen zu verbinden. Erträgt ihr seine Hand an, unter dem Verwände einer wirklichenLiebe. Doch Merope weiset ihn mit diesem Verwände zuempfindlich ab; und nun sucht er durch Drohungen und Ge-walt zu erlangen, wozu ihn seine Verstellung nicht verhelfenkönnen. Eben dringt er am schärfcsten in sie; als ein Jünglingvor ihn gebracht wird, den man auf der Landstraße über einemMorde ergriffen hat. Aegisth, so nannte sich der Züngling,hatte nichts gethan, als sein eignes Leben gegen einen Räubervertheidiget; sein Ansehen verräth so viel Adel und Unschuld,seine Rede so viel Wahrheit, daß Merope, die noch ausserdemeine gewisse Falte seines Mundes bemerkt, die ihr Gemahl mitihm gemein hatte, bewogen wird, den König für ihn zu bitten;und der König begnadiget ihn. Doch gleich darauf vermißtMerope ihren jüngsten Sohn, den sie einem alten Diener, Na-mens Polydor , gleich nach dem Tode ihres Gemahls anvertrauethatte, mit dem Befehle, ihn als sein eigenes Kind zu erziehen.Er hat den Alten, den er für seinen Vater hält, heimlich ver-lassen, um die Welt zu sehen; aber er ist nirgends wieder auf-zufinden. Dem Herze einer Mutter ahnet immer das Schlimmste;auf der Landstraße ist jemand ermordet worden; wie, wenn esihr Sohn gewesen wäre? So denkt sie, und wird in ihrerbange» Vermuthung durch verschiedene Umstände, durch die Be-reitwilligkeit des Königs, den Mörder zu begnadigen, vornehm-