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7 (1839)
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Haiiiburgische Dramaturgie.

Beyfall und das Zujauchzen, womit die Meropc des Maffciaufgenommen wurde.

^edite liomaui koi^>wres, ccclito Liaü,I^etoio huijl maju» nitscitui' Ooili^oiie:schrie Leonardo Adami, der nur noch die ersten zwey Akte inRom davon gesehen hatte. Zn Venedig ward 1714, das ganzeEarncval hindurch, fast kein anderes Stück gespielt, als Me-ropc; die ganze Welt wollte die neue Tragödie sehen und wie-der sehe»! und selbst die Opcrbühncn fanden sich darüber ver-lassen. Sie ward in einem Zahre viermal gedruckt; und inscchszchn Jahren (von 17141730) sind mehr als dreyßigAusgaben, in und außer Italien, zu Wien, zu Paris, zu Lon-don davon gemacht worden. Sie ward ins Französische, insEnglische , ins Deutsche übersetzt; und man hatte vor, sie mitallen diesen Ilcbcrsctzungcn zugleich drucken zn lassen. Ins Fran-zösische war sie bereits zwcymal übersetzt, als der Herr vonVoltaire sich nochmals darüber machen wollte, um sie auchwirklich auf die französische Bühne zu bringen. Doch er fandbald, daß dieses durch eine eigentliche Ucbcrsctzung nicht gesche-hen könnte, wovon er die Ursachen in dem Schreiben an denMarquis, welches er nachher seiner eignen Meropc vorsetzte,nmständlich angicbt.

Dcr Ton, sagt cr, scy in der italienischen Mcrope vielzu naif und bürgerlich, und dcr Geschmack des französischen Par-tcrrs vicl zu scin, viel zu verzärtelt, als daß ihm die bloßesimple Natur gefallen könne. Es wolle die Natur nicht andersals unter gewissen Zügen dcr Kunst sehen; und diese Züge müß-ten zu Paris weit anders als zu Ncrona seyn." Das ganzeSchreiben ist mit dcr äußersten Politcsse abgefaßt; Maffci hatnirgends gcfchlt; alle seine Nachläßigkcitcn und Mängel werdenauf die Rechnung seines Nationalgcschmacks geschrieben; es sindwohl noch gar Schönheiten, aber leider nur Schönheiten fürItalien , ('»cwiß, man kann nicht höflicher kritisircn! Aber dieverzweifelte Höflichkeit! Auch einem Franzosen wird sie gar baldzu Last, wenn seine Eitelkeit im geringsten dabey leider. DieHöflichkeit macht, daß wir liebenswürdig scheinen, aber nicht groß;und der Franzose will eben so groß, als liebenswürdig scheinen.