Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
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Hamburgische Dramaturgie.

quis fort,bloße Nebenpersonen so oft mit einander sprechenzu lassen, als Sie gethan haben? Sie dienen bey Zhncn dieinteressanten Scenen zwischen den Hauptpersonen vorzubereiten;es sind die Zugänge zu einem schönen Pallastc; aber unserungeduldiges Publikum will sich auf einmal in diesem Pallastcbefinden. Wir müssen uns also schon nach dem Geschmackeeines Volks richten, welches sich an Meisterstücken satt gesehenhat, und also äußerst verwöhnt ist." Was heißt dieses an-ders, als:Mein Herr Marquis, Ihr Stück hat sehr, sehrviel kalte, langweilige, unnütze Scenen. Aber es sey scrn vonmir, daß ich Ihnen einen Norwurf daraus machen sollte! Be-hüte der Himmel! ich bin ein Franzose; ich weiß zu leben; ichwerde niemanden etwas unangenehmes unter die Nase reiben.Ohne Zweifel haben Sie diese kalten, langweiligen, unnützenScenen mit Vorbedacht, mit allem Flcisse gemacht; weil siegerade so sind, wie sie ihre Nation braucht. Ich wünschte, daßich auch so wohlfeil davon kommen könnte; aber leider ist meineNation so weit, so weit, daß ich noch viel weiter seyn muß,um meine Nation zu befriedigen. Ich will mir darum ebennicht viel mehr einbilden, als Sie; aber da jedoch meine Na-tion, die Ihre Nation so sehr übersieht" Weiter darf ichmeine Paraphrasis wohl nicht fortsetzen; denn sonst,

Dolinit in z>!leeiu inulier soi'inola luuvi'ue:aus der Höflichkeit wird pcrtMaZo, (ich brauche dieses franzö-sische Wort, weil wir Deutschen von der Sache nichts wissen)lind aus der perllMiiZo, dummer Stolz.

Zwey und vierzigstes Stück.

Den 22ste>i September, 1767.

Es ist nicht zu leugnen, daß ein guter Theil der Fehler,welche Voltaire als Eigenthümlichkeiten des italienischen Geschmacksnur deswegen an seinem Vorgänger zu entschuldigen scheinet, umsie der italienischen Nation überhaupt zur Last zu lege», daß,sage ich, diese, und noch mehrere, und noch größere, sich inder Mcropc des Maffci befinden. Maffci hatte in seiner Ju-gend viel Neigung zur Poesie; er machte mit vieler Leichtigkeit