Erster Band.
der Hr. von Voltaire hätte mittheilen wollen. Oder war sieetwa so nicht, wie er sie durch seine Schmeichele^ zu erschleichenhoftc? Nahm sich Maffci etwa die Freyheit, ihm hinwiederumdie Eigenthümlichkeiten des französischen Geschmacks ins Licht zustellen? ihm zu zeigen, warum die französische Mcrope eben sowenig in Italien, als die italienische in Frankreich gefallenkönne? —
Drey und vicrzigstcs Stück.Den 26stcii Tcptcmbcr, 1767.
So etwas laßt sich vermuthen. Doch ich will lieber bewei-sen, was ich selbst gesagt habe, als vermuthen, was andere ge-sagt haben könnten.
Lindern, vors erste, ließe sich der Tadel des Lindcllc fastin allen Punkten. Wenn Maffci gefehlt hat, so hat er dochnicht immer so plump gefehlt, als uns Lindcllc will glaubenmachen. Er sagt z. E., Acgisth, wenn ihn Mcrope iiunmchrerstechen wolle, rufe aus: O mein alter Vater! und die Köni-ginn werde durch dieses Wort, alter Vater, so gcrührct, daßsie von ihrem Vorsätze ablasse und auf die Acrmulhung komme,Acgisth könne wohl ihr Sohn seyn. Zst das nicht, setzt erhöhnisch hinzu, eine sehr gegründete Vermuthung! Den» frey-lich ist es ganz etwas sonderbares, daß ein junger Mensch cincnalten Vater hat! „Maffci, fährt er fort, hat mit dicscm Fch-„lcr, diesem Mangel von Kunst und Genie, einen andern„Fehler verbessern wollen, den er in der erstem Ausgabe seines„Stückes begangen hatte. Acgisth rief da: Ach, Polydor , mein,,Vater! Und dieser Polydor war eben der Mann, dem Mcrope„ihren Sohn anvertrauet hatte. Bey dem Namen Polydor „hätte die Königinn gar nicht mehr zweifeln müssen, daß Ac-„gisth ihr Sohn sey; und das Stück wäre aus gewesen. Nun„ist dieser Fehler zwar wcggcschaft; aber seine Stelle hat ein„noch weit gröberer eingenommen." Es ist wahr, in der er»stcn Ausgabe nennt Acgisth den Polydor seinen Vater; aberin den nachhcrigen Ausgaben ist von gar keinem Vater mehrdie Rede. Die Königinn stutzt blos bey dem Namen Polydor ,der den Acgisth gewarnct habc, ja keinen Fnß in das Messc-
Les«ings V?c>k- VII, 1Z