Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
198
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198 Hamburgische Dramaturgie.

ans welchen Mcrope bey dem Maffei schliesst, daß Aegisth derMörder ihres Sohnes sey. Voltaire antwortet:Ich kann esIhnen nicht bergen; ich finde, daß Maffci es viel künstlicherangelegt hat, als ich, Mcropcn glauben zu machen, daß ihrSohn der Mörder ihres Sohnes sey. Er konnte sich einesRinges dazu bedienen, und das durste ich nicht; denn seitdem königlichen Ringe, über den Voileau in seinen Satyrcnspottet, würde das aus unserm Theater sehr klein scheinen."Aber mußte denn Voltaire eben eine alte Rüstung anstatt desRinges wählen? Als Narbas das Kind mit sich nahm, wasbewog ihn denn, auch die Rüstung des ermordeten Vaters mit-zunehme»? Damit Aegisth, wenn er erwachsen wäre, sich keineneue Rüstung kaufen dürfe, und sich mit der alten seines Va-ters behelfen könne? Der vorsichtige Alte! Ließ er sich nichtauch ein Paar alte Kleider von der Mutter mitgeben? Odergeschah es, damit Aegisth einmal an dieser Rüstung erkanntwerden könne? So eine Rüstung gab eS wohl nicht mehr?Es war wohl eine Familienrüstung, die Vulkan selbst demGroßgroßvater gemacht hatte? Eine undurchdringliche Rüstung?Oder wenigstens mit schönen Figuren und Sinnbildern versehen,an welchen sie Eurikles und Mcrope nach fünfzehn Jahren so-gleich wieder erkannten? Wenn das ist: so mußte sie der Altefreylich mitnehmen; und der Hr. von Voltaire hat Ursache, ihmverbunden zu seyn, daß er unter den blutigen Verwirrungen,bey welchen ein anderer nur an das Kind gedacht hätte, auchzugleich an eine so nützliche Möbel dachte. Wenn Aegisthschon das Reich seines Vaters verlor, so mußte er doch nichtauch die Rüstung seines Vaters verlieren, in der er jenes wie-der erobern konnte. Zwcytcns hatte sich Lindelle über denPolyphont des Maffei ausgehalten, der die Mcrope mit allerGewalt hcyrathcn will. Als ob der Voltairischc das nicht auchwollte! Voltaire antwortet ihm daher:Weder Maffci, nochich, haben die Ursachen dringend genug gemacht, warum Po-lyphont durchaus Mcropcn zu scincr Gemahlinn verlangt.Das ist vielleicht ein Fehler des Stoffes; aber ich bekenneIhnen, daß ich einen solchen Fehler für sehr gering halte,wenn das Interesse, welches er hervor bringt, beträchtlich ist."