Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
254
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264 H.imburiiische Dramaturgie.

gen unauslöschlich sind, da sic von scincr Würde eine Art vonGesetzmäßigkeit erhalten. Was kann also natürlicher scheinen,als daß Esser sich wider diese Würde selbst auflehnet, und ge-gen die Höhe tobet, die den Beleidiger scincr Rachc entzieht?Zch wüßte wenigstens nicht, was seine letzten Vcrgchungcn sonstwahrscheinlich hätte machen können. Die bloße Ungnade, diebloße Entsetzung seiner Ehrenstcllcn konnte und durste ihn soweit nicht trcibcn. Aber durch eine so knechtische Behandlungaußer sich gebracht, sehen wir ihn alles, was ihm die Ver-zweiflung cingicbt, zwar nicht mit Billigung, doch mit Entschul-digung unternehmen. Die Königinn selbst muß ihn ans diesemGesichtspunkte ihrer Verzeihung würdig erkennen; und wir ha-ben so ungleich mehr Mitleid mit ihm, als er uns in der Ge-schichte zu verdienen scheinet, wo das, was er hier in der er-sten Hitze der gekränkten Ehre thut, aus Eigennutz und andernniedrigen Absichten geschieht.

Der Streit, sagt die Geschichte, bey welchem Esser die Ohr-feige erhielt, war über die Wahl eines Königs von Zrrland.Als er sahe, daß die Königinn auf ihrer Meinung bcharrtc,wandte er ihr mit einer sehr verächtlichen Gcbchrde den Rücken.In dem Augenblicke fühlte er ihre Hand, und seine fuhr nachdem Degen. Er schwur, daß er diesen Schimpf weder leidenkönne noch wolle; daß er ihn selbst von ihrem Vater Heinrichnicht würde erduldet haben: und so begab er sich vom Hofe.Der Brief, den er an den Kanzler Egcrton über diesen Vor-fall schrieb, ist mit dcm würdigsten Stolze abgefaßt, und erschien fest entschlossen, sich der Königinn nie wieder zu nähern.Gleichwohl finden wir ihn bald darauf wieder in ihrer völligenGnade, und in der völligen Wirksamkeit eines chrgcitzigcn Lieb-lings. Diese Versöhnlichkeit, wenn sic ernstlich war, macht unseine schr schlechte Zdcc von ihm; und keine viel bessere, wennsie Verstellung war. Zu diesem Falle war er wirklich ein Vcr-räthcr, der sich alles gefallen ließ, bis er den rechten Zeitpunktgekommen zu seyn glaubte. Ein elender Wcinpacht, den ihmdie Königinn nahm, brachte ihn am Ende weit mehr auf, alsdie Ohrfeige; und der Zorn über diese Vcrschmälcrung scincrEinkünfte, verblendete ihn so, daß er ohne alle Ilebcrlcgung los-