Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
408
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H.nnb urg i sch c Tr.iinaiur.iie.

wie blos der Begriff von Stand und Charakter, den man mitdem Namen Sokrates verband und noch näher verbinden sollte,den Dichter in der Wahl des Namens bestimmte: so ist auchblos der Begriff des Charakters, den wir mit den Namen Rc-gulus, Cato, Brutus zu verbinden gewohnt sind, die Ursache,warum der tragische Dichter seinen Personen diese Namen er-theilet. Er fuhrt einen Rcgulus, einen Brutus auf, nicht umuns mit den wirklichen Bcgcguissen dieser Männer bekannt zumachen, nicht um das Gedächtniß derselben zu erneuern: son-dern um uns mit solchen Bcgcgnisscn zu unterhalten, die Män-nern von ihrem Charakter überhaupt begegnen können und müs-sen. Nun ist zwar wahr, daß wir diesen ihren Charakter ausihren wirklichen Bcgcgnisseii abstrahircr haben: es folgt aber dochdaraus nicht, daß uns auch ihr Charakter wieder auf ihre Bc-gegnisse zurückführen müsse; er kann uns nicht selten weit kürzer,weit natürlicher auf ganz andere bringen, mit welchen jenewirkliche weiter nichts gemein haben, als daß sie mit ihnenaus einer Quelle, aber auf unzuvcrfolgcndcn Umwegen undüber Erdstriche hergcflosscu sind, welche ihre Lautcrhcit verdorbenhaben. In diesem Falle wird der Poet jene erfundene denwirklichen schlechterdings vorziehen, aber den Personen noch im-mer die wahren Namen lassen. Und zwar aus einer doppeltenUrsache: einmal, weil wir schon gewohnt sind, bey diesen Na-men eine» Charakter zu denken, wie er ihn in seiner Allgemein-heit zeiget; zwcytcns, weil wirklichen Namen auch wirkliche Be-gebenheiten anzuhängen scheinen, und alles, was einmal geschehen,glaubwürdiger ist, als was nicht geschehen. Die erste dieserUrsachen stießt aus der Verbindung der Aristotelischen Begriffeüberhaupt; sie liegt zum Grunde, und Aristoteles hatte nichtnöthig, sich umständlicher bey ihr zu verweilen; wohl aber beyder zwevtcn, als einer von anderwärts noch dazu kommende»Ursache. Doch diese liegt itzt außer meinem Wege, und dieAuc-legcr insgesamt haben sie weniger mißverstanden als jene.

Nun also auf die Behauptung des Diderot zurück zu kom-men. Wenn ich die Lehre des Aristoteles richtig erklärt zubaben, glauben darf: so darf ich auch glauben, durch meineErklärung bewiesen zu haben, daß die Sache selbst unmöglich