Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
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Hamburgische Tramalurgic.

Was zweyteils die Komödie anbelangt, so habe ich gc-sagt, daß sie gcncrale Charaktere geben müsse, uiid habezum Beyspiele den Gcilzigen des Molicrc angeführt, dermehr der Zdce des Gcitzes, als eines wirklichen gcitzigcnMannes entspricht. Doch auch hier muß man meine Wortenicht in aller ihrer Strenge nehmen. Moliere dünkt mich indiesem Beyspiele selbst fehlerhaft; ob es schon sonst, mit dererforderlichen Erklärung, nicht ganz unschicklich seyn wird,meine Meinung begreiflich zu machen.

Da die komische Bühne die Absicht hat, Charaktere zuschildern, so meine ich kann diese Absicht am vollkommen-em erreicht werden, wenn sie diese Charaktere so allgemeinmacht, als möglich. Denn indem auf diese Weise die in demStücke aufgeführte Person gleichsam der Ncprcscntant allerCharaktere dieser Art wird, so kann unsere Lust an der Wahr-heit der Vorstellung so viel Nahrung darinn finden, als nurmöglich. Es muß aber sodann diese Allgemeinheit sich nichtbis auf unsern Begriff von den möglichen Wirkungen desCharakters, im Abstracto betrachtet, erstrecken, sondern nurbis auf die wirkliche Aeußerung seiner Kräfte, so wie sievon der Erfahrung gercchlfcrtigct werden, und im gemeinenLeben Statt finden können. Hierum haben Molicrc, und vorihm Plautus , gefehlt; statt der Abbildung eines geitzigcnMannes, haben sie uns eine grillenhafte widrige Schilderungder Leidenschaft des Gcitzes gegeben. Ich nenne es einegrillenhafte Schilderung, weil sie kein Urbild in der Na-tur hat. Ich nenne es eine widrige Schilderung; denn daes die Schilderung einer einfachen unvcrmischten Lei-denschaft ist, so fchlcn ihr alle die Lichter und Schatten,deren richtige Verbindung allein ihr Kraft und Leben erthei-len könnte. Diese Lichter und Schatten sind die Vermischungverschiedener Leidenschaften, welche mit der vornehmsten oderherrschenden Leidenschaft zusammen den menschlichen Cha-rakter ausmachen; und diese Vermischung muß sich in jedem

solche» Ausdruck bcdculc, als der allacmcincn Nalur der Dinqe gcmäs! ist;Falsclilicit l'i>ia,cqcn das l'cissc, was zwar dcm vorhabenden besonder» Halleangcmcssc», aber nicht mit jener allgeineincn Nalur ubcrcinslinuimid sey.