Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
417
Einzelbild herunterladen
 

Zweyter Band.

417

Antheil an der allgemeinen Unterhaltung gar nicht nehmenkönnen, sondern nur immer, zum Vergnügen der Gesellschaft,Sprünge und Männcrchcn machen müssen."

Vier und neunzigstes Srück.Te» 25ste» Merz, 1768.

Und so viel von der Allgemeinheit der komischen Charaktere,und den Grenzen dieser Allgemeinheit, nach der Zdcc des Hurd! Doch es wird nöthig seyn, noch erst die zweyte Stelle bey-zubringen, wo er erklärt zu haben versichert, in wie weit auchden tragischen Charaktere», ob sie schon nur partikular waren,dennoch eine Allgemeinheit zukomme: ehe wir den Schluß über-haupt machen können, ob und wie Hurd mit Diderot , undbeide mit dem Aristoteles übereinstimmen.

Wahrheit, sagt er, heißt in der Poesie ein solcher Aus- druck, als der allgemeinen Natur der Dinge gemäß ist; Falsch-heit hingegen ein solcher, als sich zwar zu dem vorhabendenbesondern Falle schicket, aber nicht mit jener allgemeinenNatur übereinstimmet. Diese Wahrheit des Ausdrucks inder dramatischen Poesie zu erreichen, cmpfichlct Horaz (°) zweyDinge: einmal, die Socratische Philosophie fleißig zu studie-ren; zweytcns, sich um eine genaue Kenntniß des mensch-lichen Lebens zu bewerben. Zcncs, weil es der eigenthümlicheVorzug dieser Schule ist, a<! veritatem vit-v nropius scee-6oro;(") dieses, um unserer Nachahmung eine desto allgemei-nere Achnlichkcit ertheilen zu können. Sich hiervon zu über-zeugen, darf man nur erwägen, daß man sich in Werkender Nachahmung an die Wahrheit zu genau halte» kann;und dieses auf doppelte Weise. Denn entweder kann derKünstler, wenn er die Natur nachbilden will, sich zu ängst-lich befleißigen, alle und jede Besonderheiten seines Ecgcn-standes anzudeuten, und so die allgemeine Idee der Gattungauszudrücken verfehlen. Oder er kau», wc»» er sich dieseallgemeine Zdce zu ertheilen bemüht, sie aus zu viele» Fälle»des wirkliche» Lebens, nach seinem weitesten Umfange, zu-

(°) Ue »rle poet. V. glv. Sl7. l8.(") v<- Ur-U. I. St.Lchmgs Wnke VN, 27