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7 (1839)
Entstehung
Seite
419
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Zweyter Band. 4t!)

möglich, zu dem göttlichen Urbildc, um so das unmittelbareNachbild der Wahrheit zu werden. Hieraus lernt man den»auch einsehen, was und wie viel jenes ungewöhnliche Lob,welches der große Kunstrichtcr der Dichtkunst ertheilet, sagenwolle; daß sie, gegen die Geschichte genommen, dasernstere und philosophischere Studium sey: <ptX.c>o-o.

rpl-vi'^ov XlXt <??rc>i^<5cxt07'xj>ou Troci^c/t^ tl^vpt«^ ec^lV. Die

Ursache, welche gleich darauf solgt, ist nun gleichfalls sehrbegreiflich: ^ >>ac> «0^0'«,? ^^«X/,o->> ?-« x«5oX,o^>,<5' t^o^l« i-« xx«?ov >.x^kt.^) Ferner wird hieraus einwesentlicher Unterschied deutlich, der sich, wie man sagt, zwi-schen den zwey großen Nebenbuhlern der Griechischen Bühnesoll befunden haben. Wenn man dem Sophokles vorwarf,daß es seinen Charakteren an Wahrheit fehle, so pflegte ersich damit zu verantworten, daß er die Menschen so schil-dere, wie sie seyn sollten, Euripides aber so, wie

sie wären. ZvcpoxX,ri-; e<^, ^ev oto^i; tZrt 7r»l-li',

,,^5>l?rlk5i^ <5e o-ot xt<7l. Der Sinn hiervon ist dieser:Sophokles hatte, durch seinen ausgebreitetem Umgang mitMenschen, die eingeschränkte enge Vorstellung, welche aus derBetrachtung einzelner Charaktere entsteht, in einen vollstän-digen Begriff des Geschlechts erweitert; der philosophischeEuripides hingegen, der seine meiste Zeit in der Akademie zu-gebracht hatte, und von da aus das Leben übersehen wollte,hielt seinen Blick zu sehr auf das Einzelne, auf wirklich cristi-rcndc Personen geheftet, versenkte das Geschlecht in das In-dividuum, und mahlte folglich, den vorhabenden Gegenständennach, seine Charaktere zwar natürlich und wahr, aber auchdann und wann ohne die höhere allgemeine Ähnlichkeit, diezur Vollendung der poetischen Wahrheit erfodcrt wird. C")

(°) Dichtkunst Kap. 9.

(°°) Ebendas. Kav. 25.

Diese Erklärung ist dcr, welche Dacicr von der Stelle des Aristotelesgiebt, weit vorzuziehen. Nach den Worten dcr Ucbcrsctzung scheinet Dacicrzwar eben das zu sagen, was Hurd sagt: <>»<- sopiwcie f-likvit lu» llero«,

rvmme ils (luvoient «Ire öi? <>u' l:»rir,»I>! le, lttisoil ^omme N» eloienl. Aber

er verbindet im Grunde einen ganz andern Begriff damit. Hurd verstehet

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