Zweyter Band.
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„Orestes , lind darf ich das, als deinen festen Entschluß, deinem„Bruder vermelden?
„Mektra. Ich will meine Mutter umbringen, oder nicht leben!„Das Griechische ist noch stärker:
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„Ich will gern des Todes seyn, sobald ich meine„Mutter umgebracht habe!„Nun kann mau nicht behaupte», daß diese letzte Rede„schlechterdings unnatürlich sey. Ohne Zweifel haben sich Bey-spiele genug eräugnct, wo unter ähnlichen Umstanden die„Rache sich eben so heftig ausgedrückt hat. Gleichwohl, denke„ich, kann uns die Härte dieses Ausdrucks nicht anders als„ein wenig beleidigen. Zum mindesten hielt Sophokles nicht„für gut, ihn so weit zu treiben. Bey ihm sagt Elcktra unter„gleichen Umständen nur das: Zetzt sey dir die Ausfüh-rung überlassen! Wäre ich aber allein geblieben,„so glaube mir nur: beides hätte mir gewiß nicht„mißlingen sollen; entweder mit Ehren mich zu be-„frcycn, oder mit Ehren zu sterben!
„Ob nun diese Vorstellung des Sophokles der Wahrheit,„in so fern sie aus einer ausgebreitetem Erfahrung, d. i. aus„der Kenntniß der menschlichen Natur überhaupt, gesammelt„worden, nicht weit gemäßer ist, als die Vorstellung des Eu-„ripidcs, will ich denen zu beurtheilen überlassen, die es zu be-urtheilen fähig sind. Ist sie es, so kann die Ursache keine„andere seyn, als die ich angenommen: daß nehmlich So-phokles seine Charaktere so geschildert, als er,„unzähligen von ihm beobachteten Beyspielen der„nehmlichen Gattung zu Folge, glaubte, daß sie„seyn sollten; Euripidcs aber so, als er in der cn-„geren Sphäre seiner Beobachtungen erkannt hatte,
„daß sie wirklich wären. -
Vortrefflich! Auch unangcschcn der Absicht, in welcher ichdiese langen Stellen des Hurd angeführet habe, enthalten sieunstreitig so viel feine Bemerkungen, daß es mir der Leserwohl erlassen wird, mich wegen Einschaltung derselben zu ent-schuldigen. Zch besorge nur, daß er meine Absicht selbst darüber