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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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1. Kapitel: Die Zeit der Fremdherrschaft.

Und im Sommer des Jahres 1806 schrieben französische Kugeln,nicht im Schlachtensturm, sondern mitten im Frieden, dem deutschen Buchhandel ein blutiges Mcnc Tekel in den Sand der Fcstungsgrnben vonBraunau: am 26. August 1806 wurde Johann Philipp Palm , Inhaberder Steinschen Buchhandlung in Nürnberg , ein Neffe des uns wohlbe-kannten Johann Jacob Palm in Erlangen, auf Befehl Napoleons erschossen.^

Wie furchtbar das Schicksal Palm und die Seinen traf: sehen wirhier in ihm nicht den Menschen, sondern den Buchhändler, oder nochmehr: nicht den Buchhändler, sondern den Buchhandel, und den Buch-handel nicht losgelöst von den politischen und militärischen Verhältnissen,wie sie damals in Süddcutschland bestanden.

Wir erinnern uns, wie verhaßt gerade 'Nürnberg deutschen Re-gierungen schon des 18. Jahrhunderts als Werkstatt und Niederlageärgerlicher Broschüren war, und welch immer neuen Kämpfe Bayern deshalb mit ihm zu führen hatte. Wie hätte es jetzt eine solche Nollenicht erst recht Frankreich und Napoleon gegenüber spielen sollen? DerNürnberger Rat freilich zeigte nun eine andere Haltung; seit demSeptember 1805 ermahnte er in wiederholten Verfügungen zu größterVorsicht und erklärte, daß er sich andernfalls jetzt allerdings genötigt sehe,mitausgezeichneter und unnbbittlichcr Schärfe" vorzugehen. Die Ver-fügungen allein reden eine deutliche Sprache, und die Allgemeine Zeitung berichtete von der Jubilatcmcsse 1806, mit welcherunglaublichen Be-gierde" die Nürnberger politischen Werke und Pamphlete gekauft wurden.Palm war in der geschäftlich so lohnenden Ausbeutung dieser Umständevielleicht einer der ersten, aus jeden Fall keiner der letzten. Schon 1795beschwerte sich Kurbayern über seine Firma, dieverderbliche Bücherverbreite", 1798 wurde er aus gleichem Grunde in Salzburg verhaftet,zwei Jahre darauf durch Nürnberger Urteil wegen eigenmächtigen Ver-triebs von Pasquillen vom fcrncrn Besuch der Salzburger Märkteausgeschlossen und im gleichen Jahre z. B. in Basel arretiert, und wenner nach einem spätem Berichte des französischen Gesandten zu München wegen seiner Propaganda für alle gegen Frankreich gerichteten Schriftenin Deutschland bekannt" war, so ist das dem Grade nach übertrieben,in der Sache aber, wie man sieht, schließlich nicht so unrichtig. Napoleon war hierüber genau unterrichtet. Nicht nur gingen von der französischenGesandtschaft zu München schon seit Beginn des Jahres 1806 Berichte