Beginn der Handclsstörimg.
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konnte, wird in Sturm und Wetter die „papiernc Zeit"! Noch zwanzigJahre solcher „Buhlerei mit der Literatur", solcher „Verhätschelunggeistiger Bildung", solcher „Kramerei mit belletristischem Luxus", unddie Deutschen hätten ein sisels littsrairs erlebt, abgeschmackter als dasihrer Nachbarn. Jetzt, schrieb Perthes, fühlt jeder der Jüngern, daß dasVaterland nicht zum Dienste der Wissenschaft, sondern diese zum Dienstejenes da ist. Wie viele, rief er, sind nicht jetzt schon davon durchdrungen,daß Kraft und Tugend nicht aus moralischen Grundsätzen erwachsen, sonderneinem ganz andern Boden entstammen! Wie dringt es jetzt in dieSeelen, daß Liebe und freie Sorge für Haus und Hof und Vaterlandmehr ist als „allgemeine Umfassung", „herzvollcr, vielleicht leidenschaft-licher Patriotismus" besser als ein blasser Kosmopolitismus! „Mußdas Herz uns nicht deshalb schon groß werden, daß wir gerade inder schlimmsten Zeit leben?"
Das waren Worte, wie sie ähnlich noch nie aus dem Munde einesBuchhändlers erklungen waren. Und so verdichtet sich in den großenPersönlichkeiten, die wir über die Bühne der deutschen Buchhandelsgeschichteschreiten sehen, mit der Geschichte des Buchhandels die Geschichte derNation.
Drei Monate vorher hatte Schiller die Augen geschlossen. DreiMonate später ertönte der Donner der Dreikaiserschlacht.
Im Herbst des Jahres 1805, als Napoleon seine Heere überden obern Rhein warf, stockte der Absatz nach Süddeutschland; dieMehrzahl der süddeutschen Buchhändler, die die Michaelismesse noch zubesuchen pflegten, blieb aus, und die Bestellungen, die sie aufgaben,waren nur spärlich. Bald traten die ersten deutlichen Zeichen des Rück-gangs des Handels nach Rußland hinzu, der sich im ersten Jahrfünftdes neuen Jahrhunderts so gut augelassen hatte. Die Folgen des Kriegeswurden noch fühlbarer schon in der ersten Hülste des Jahres 1806.Namentlich daß die Wiener weder zur Messe kamen, noch Bücher, nochZahlung sandten, war empfindlich. Die Straßen ruiniert, die Zugpferdesclteu, die Frachtlöhne erhöht. Bei dem starken Ausbleiben der süd-deutschen und schweizerischen Buchhändler ließ sich nicht einmal im Tausch-handel etwas machen. Doppelt empfindlich wurde nun der Kampf zwischenBuch und Zeitschrift. Bitter klagte der Buchhandel über den Rückgang des
Bücherkaufens, die beständige Zunahme der Monatsschriften und Journale.
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