Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

«'>

1. Kapitel: Die Zeit der Fremdherrschaft.

war, in England , dem Todfeinde Napoleons, dm Hort der Freiheit priesund das Land der Hoffnung sah, von dem aus der kaiserlichen Herr-schaft der Untergang drohe, die Fürsten Deutschlands , die sich eben zumRheinbünde unter Napolconischem Protektorate zusammenschlössen, zumBunde gegen Napoleon aufrief, nach Wegen suchte,auf denen der Muthbedrängter Deutschen sich wieder erheben, und die mannigfaltigen Lastenabwerfen sollte", und die französische Armee mit Schmach und Schimpfüberhäufte. Rasch führten die Spuren über Augsburg auf die StcinscheBuchhandlung iu Nürnberg. Nach französischem Rechte war der Verlegersrei, sobald der Verfasser bekannt war. Es ist nicht unwahrscheinlich,daß, selbst wenn dieser Umstand hier in Frage gekommen wäre, Palmihn dennoch nicht hätte benutzen können. Wir wissen ja, wie bedeutenddie Unternehincrthätigkeit auf diesem Gebiete, und so speziell in Nürn-berg , war, und die fragliche Broschüre selbst ist ein Beispiel für dasgeschäftlich Lohnende solcher Unternehmungen: Anfang Juni wurde dieerste Auflage versandt, und Mitte Juli spricht Palm schon von der imDruck befindlichen zweiten. Wo er es offen und mit Ehren thuu konutc,hat sich der deutsche Buchhändler immer mit besonderem Stolze dergeistigen Urheberschaft seiner Verlagsartikcl gerühmt; diese Urheberschaftist aber jederzeit in weitem Umfange auch dort wirksam gewesen, wo mankeinen Grund hatte, sie besonders zu betonen, und die Annahme liegtnicht fern, daß entweder dies hier der Fall gewesen sei, oder der Ver-leger in der doppelten Aussicht einerseits auf lockenden Gewinn undandrerseits auf die für ihn leichtere Möglichkeit des Ausweichcus (durchdie in taufenden von Fällen erprobte Berufung auf unverlangte Sen-dung u. dgl.) bei der unter den damaligen Verhältnissen gesteigerten Ge-fährlichkeit des Unternehmens Garantien nach dieser Richtung über-nommen hatte. Man kann nicht annehmen, daß ein Schriftsteller, derunter solchen Verhältnissen unter dein Deckmantel der Anonymität einemVerleger, der die Anonymität auch für sich selbst für geboten hielt, zuDiensten war oder sich ihm anvertraute und bei ihm Entgegenkommenfand, sich gegen die etwaige Entdeckung seiner eigenen Anonymität nichtgesichert hätte, und noch wahrscheinlicher ist es, daß der Verleger selbstihn durch entsprechende Abmachungen für den Verlag gewann. Manwürde hierbei eher an Philipp Christian Gottlieb als an Johann Äon-rad Aclm als Verfasser denken; der erstere, ein Mannvon sanguini-