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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Palms Erschießung.

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schem Temperamente, aber vorzüglichem Talent und vieler Gelehrsamkeit",durch Privatunterricht seinen Unterhalt erwerbend, war mit Palm ver-wandt und eng befreundet, verkehrte häufig in seinein Hause und be-sorgte für ihn literarische Arbeiten. Auf eine derartige Stellung Palmszur Urheberschaft an der verhängnisvollen Broschüre weisen auch inundeutlicher Weise die Briefe hin, die ihm sein Hcmdlungsdicner AnfangAugust nach München schrieb, wo sich Palm zum üblichen Besuche derJacobidult aufhielt. Für die Sache, wie sie sich in Wirklichkeit ab-spielte, kamen aber diese Dinge nicht einmal in Frage. Napoleon hatden Weg Rechtens gar nicht beschreiten lassen; eine Untersuchung nachdem Verfasser, ja selbst nach dem Verleger wurde gar nicht eingeleitet;Napoleon kam eS einfach darauf an, so rasch wie möglich an denen, dieman am leichtesten feststellen konnte und schnell festgestellt hatte: an denHändlern, ein Exempel zu statuieren, das den Mnt zn ähnlichenUnternehmungen lähmen sollte; in einem persönlichen Befehl vom5. August schrieb er die unverzügliche Füsilierung derAugsburger undNürnberger Buchhändler" vor: dennin den Gegenden, wo die fran-zösischen Armeen in Quartier liegen, Pamphlete zu verbreiten, um dieBevölkerung gegen diese aufzureizen", seikein gewöhnliches", sonderneinVerbrechen des Hochverrats". Bei Palm wurden keine Exemplareuud auch keine sonst belastenden Papiere aufgefunden: die noch bei ihmlagernden Exemplare der ersten sowohl wie der noch in der Druckereibefindlichen zweiten Auflage waren in Brunnen versenkt, die ver-dächtigen Papiere verbrannt worden; aber alle Aussagen des Augsburger und Nürnberger Buchhandels wiesen übereinstimmend sein Geschäft alsden Herd des Vertriebs nach.

Außer Palm waren der Geschäftsführer der Stagcschen Buchhand-lung und die beiden Nieger in Augsburg , ferner übrigens noch einHcilbronncr Kaufmann, ein Spczerei- und Wcinhündlcr aus Donau-wörth und ein Weinwirt aus Ncckarsulm verhaftet und die beiden öster-reichischen Buchhändler Kupfer in Wien und Eurich in Linz in contn-rnn-einin zum Tode verurteilt worden: die lctztcrn vier zugleich wegenderGenealogie der kaiserlichen Majestäten und Hoheiten", Merckle ausNeckarsulm außerdem noch wegen einer bei ihm aufgefundenen Karikatur,die Napoleon in wenig ästhetischer Situation darstellte, wie er Fürsten machte. Die bayrischen und württcmbcrgischcn Unterthancn sind sämtlich