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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Palms Erschießung.

der Stcinschm Buchhandlung liefen alle Fäden zusammen, und daß Palmder Verleger war, konnte niemandem im Ernste zweifelhaft sein undwar es nicht. Andrerseits ist Palm, den man der Verlegcrschaft zuüberführen sich nicht die Zeit nahm, auch nicht als Verleger verurteiltworden, sondern als Verbreiter.Ist der benannte . . angeklagt wegenSchandschriften, die er gegen Se. Maj. den Kaiser und dessen Armee undgegen die Freunde und Alliirtcn Sr. k. k. Maj. ausgetheilt und ver-breitet hat, schuldig?" so lautete die Schuldfrage. Daß Palmver-breitet" hatte, war genugsam nachgewiesen. Palm hat mit Festigkeitbis zuletzt behauptet, er sei nicht der Verleger, und noch in letzter Stundefeierlich vor Gott erklärt, er sterbe unschuldig. Dennoch ist er der Ver-leger gewesen, und ob erschuldig" war, war keine Frage des Rechts,sondern eine Bestimmung Napoleons . Und was heißt auch schuldig oderunschuldig in einer Sache, in der so wie hier geschäftliche Spekulation,vaterländisches Interesse, vielleicht Anteil und Verpflichtung an undgegenüber einem Werke, dessen Verfasser er doch nicht war, verquicktwaren, und bei der: ob er in solcher Hinsicht schuldig oder unschuldigsei, gar nicht in Betracht kam? Nicht darin, daß ein Buchhändlerwiderrechtlich ums Leben gebracht wurde, liegt die geschichtliche Größedes Andenkens von Johann Philipp Palm , sondern darin, daß er wieein kühner Soldat durch seinen Beruf seinen Untergang fand, und deshalbihn fand, weil in diesem Berufe die eigenen materiellen und ideellen In-teressen mit den drängenden Interessen des Volkes und der Zeit untrenn-bar verbunden sind. Eine Ehrentafel des deutschen Buchhandels ist dieDcnktafcl an Palms Hause in München, die Konig Ludwig I. , dessenVorgänger nicht die Entschlossenheit gezeigt hatte, den nun Verherrlichtenvom Tode zu erretten, im Jahre 1842 anbringen ließ, ein Ehrenmaldes deutschen Buchhandels das Standbild Palms, das im Jahre 1866zum größten Teil auf Kosten des deutschen Buchhandels zu Braunau errichtet wurde. Und wie Hofer, Schill, die elf Schillschen Offiziere,die in Wesel erschossen wurden, ist Palm, der deutsche Buchhändler, einerder deutschen Männer aus schwerer und großer Zeit, die dem Herzendes deutschen Volkes für immer unvergessen sind.

Sechs Wochen darauf wurde in der I. B. Ncindlschcn Druckereiin Bamberg die französische Kriegserklärung an Preußen gedruckt; die